Pfarrkirche in Tragwein: Baugeschichte

Die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Kirche, durch unterschiedliche Stilepochen über Jahrhunderte hinweg bis in die jüngste Vergangenheit, spiegelt sich auch beim Rundgang um und durch die Kirche wider.

Romanische und frühe gotische Bauphase

Romanischer Gewölbeschlussstein mit dem Lamm Gottes außen an der SüdwandMangels Aufzeichnungen und Urkunden lassen sich über die Anfänge eines Kirchenbaues in Tragwein keine genauen Angaben machen. Im heute bestehenden Kirchenbau stecken in der Nord- und teilweise auch der Ostwand noch Fundamente und Maueranschlüsse einer romanischen Vorgängerkirche, die wesentlich niedriger als der heutige Bau gewesen ist. Aus der romanischen Kirche, vermutlich vom ursprünglichen Chor, stammt auch der jetzt außen an der Südwand eingemauerte ehemalige Gewölbeschlussstein mit dem Lamm Gottes. Der einst deutlich niedrigere Turm könnte im unteren Teil vielleicht noch auf das 13. Jahrhundert zurückgehen. Wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand das Presbyterium, also der nach Osten hin ausgerichtete Chor. Er ist einjochig, mit einer Apsis im 5/8-Schluss und einem kräftigen Kreuzrippengewölbe mit Schlusssteinen; etwa gleichzeitig entstand auch ein Sakristeianbau am nördlichen Chorwinkel.

Spätgotische Bauphase

Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde der mittelalterliche Bau entscheidend verändert und nach Süden hin um etwa 3,50 m erweitert. Man erhöhte die bisherigen Grundmauern im Norden, Osten und Westen, setzte einen höheren Dachstuhl auf das Hauptschiff (13) sowie das neu entstandene südliche Seitenschiff und wölbte beide Schiffe im Langhaus mit unterschiedlichen, reich figurierten Stern- und Netzrippengewölben ein. Hinweise auf die Bauzeit liefern ein „1521“ bezeichneter Schlussstein im Seitenschiff und die außen über dem Fenster der östlichen Giebelwand eingravierte Jahreszahl „1534“ (25). Auch der vermutlich schon im 15. Jahrhundert veränderte Turm wurde damals auf das heutige Maß erhöht.

Barocke Einrichtungsphase

1750 wurden zwei Emporen eingezogen, sonst änderte sich in der Barockzeit am baulichen Erscheinungsbild nicht viel, wohl aber an der Ausstattung. Auf einer späteren Zeichnung erkennt man vor dem schon damals  vermauerten mittleren Chorfenster den barocken Hochaltar, dessen Tabernakel von Statuen der Kirchenpatrone flankiert war. Dieser Altar soll bereits einen barocken Vorgänger besessen haben. Weitere barocke Einrichtungsstücke waren die Kanzel sowie links der „Frauenaltar“ bzw. rechts der Sebastiansaltar sowie der Anna-Altar an der Stirnwand des Südschiffes. Die heutigen barocken Ausstattungsstücke stammen nur teilweise noch aus der Pfarrkirche.

Neugotische Einrichtung

Unter dem Tragweiner Pfarrer Anton Schauer (1886–1918) erhielt die Pfarrkirche anstelle der barocken eine neue Einrichtung im Stil der Neugotik. Im Jahr 1892 schuf der Linzer Bildhauer Ludwig Linzinger (1860–1929) einen neuen Hochaltar samt Tabernakel und Statuen, 1908/10 wurden die heute noch vorhandenen Farbglasfenster eingesetzt, 1912 schuf Linzinger zwei neue Seitenaltäre und die Kanzel. Auch aus dieser Phase sind heute nur noch Einzelstücke erhalten.

Westanbau und liturgische Neugestaltung 1966/67

Im Zuge der liturgischen Reformen durch das Zweite Vatikanische Konzil und einer auch künstlerischen Neubesinnung erfuhren viele Kirchen in den späteren 1960er Jahren eine Umgestaltung, entsprechend dem damaligen Zeitgeist. Hier in Tragwein war dies auch verbunden mit einer räumlichen Erweiterung der Kirche. Nach Planungen des Freistädter Architekten Anton Zeman entstand ein moderner Anbau, der den gotischen Gesamtcharakter aber nur wenig beeinträchtigt. Zunächst erfolgte 1966 der Abbruch der romanischen Giebelmauer, ferner wurden die beiden barocken, um 1830 ins Hauptschiff verlängerten Emporen wieder entfernt, wodurch die Schönheit des gotischen Gewölbes noch besser zur Entfaltung kommt. In der Verlängerung des Seitenschiffes konnten der neue Emporenaufgang sowie die Beichtkapelle untergebracht werden. Im gotischen Hauptschiff wurden der Chorbogen ein zweites Mal (nach 1827) erweitert und die Eingänge in das rückwärtige Joch versetzt. Anstelle der nun entfernten neugotischen Altäre und der Kanzel schuf der Linzer Bildhauer Peter Dimmel 1967/68 eine neue liturgische Einrichtung: Hauptaltar, Wochenaltar, Verkündpult und Taufstein aus Rosengranit – dies alles unter Pfarrer Karl Auböck (1958–1978), der den Hauptaltar sogar selbst finanziert hatte.

Netzrippengewölbe im Hauptschiff

Neugestaltung des Kircheninneren 2013

Alles unterliegt dem Wandel der Zeit – auch die Vorstellung darüber, wie sich ein historisch gewachsener Kirchenraum und seine Einrichtung mit einer zeitgenössischen Formensprache und Liturgie vereinbaren lassen. Im Fokus steht dabei nicht nur eine angemessene künstlerische Gestaltung, sondern auch die Identifikation der örtlichen Kirchengemeinde mit „ihrem“ Gotteshaus als Mittelpunkt der christlichen Gemeinschaft. Unter Pfarrer Mag. Peter Hainzl gelang hier in Zusammenarbeit mit dem diözesanen Kunstreferat und in tatkräftiger Mitwirkung der Tragweiner Pfarrgemeinde eine sehr ansprechende Lösung. Die warmtonige Stimmung im renovierten Innenraum entsteht insbesondere durch die Fassung der Rippen und Architekturglieder in einem kräftigen Ockerton sowie der Wände in gebrochenem Weiß. Bei der Wahl des Ockerfarbtons konnte man sich an Originalbefunden orientieren, die im Bereich des wieder freigelegten mittleren Chorfensters entdeckt wurden. Die neue Beleuchtungstechnik unterstützt die angenehme Farbwirkung und Raumatmosphäre. Auch ein weiterer Wunsch der Pfarre konnte erfüllt werden: im Hauptschiff lässt das erneuerte Gestühl wieder einen Mittelgang und eine Sichtachse zum Zelebrationsaltar frei.

Unter Mitwirkung des 2009 beauftragten Künstlerpaares „PRINZGAU/podgorschek“ (Brigitte Schindlauer und Wolfgang Podgorschek, Wien) wurde die vorhandene liturgische Einrichtung umgestaltet, ferner der Kirchenboden im Chor durch eine sensible Kombination aus Steinplatten und Granit optisch belebt. Im Anschluss zum Anbau wurde ein nach Bedarf verschiebbarer textiler Raumteiler installiert. Nach einer langjährigen Planungsphase konnte im März 2013 der Altar in einem neu gestalteten Kirchenraum feierlich gesegnet werden.

Blick zur modernen Orgelempore im Anbau, 1967