Die Kirchen von Mattsee: Zellhofkapelle
Etwas außerhalb von Mattsee befindet sich eine seit dem 17. Jahrhundert zur Wallfahrt genützte Kapelle mit reichem Votivbilderschatz.
Erbaut wurde sie möglicherweise schon im 10. Jahrhundert – inzwischen ist sie spätbarock ausgestattet, mit einer Kopie der Altöttinger Madonna, einer Darstellung des Hl. Georg und einem Gemäldezyklus eines Marienlebens von 1910/11.
Einige Kilometer außerhalb von Mattsee liegt auf einer leichten Erhebung der sogenannte Zellhof, ein ehemaliger Wirtschaftshof mit dazugehörigen Gebäuden und einer Kapelle. Vermutlich reicht die Geschichte des Hofes bis in die Frühzeit des Klosters Mattsee zurück. Nach einer Liste verschiedener Besitzer ging das Gut 1603 in den Besitz des Salzburger Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612) über, danach gehörte es bis 1789 großteils Mitgliedern des Salzburger Domkapitels. Im gleichen Jahr erwarb es der Mattseer Dechant Leopold Andreas Woeckl für das Stift Mattsee, die Kapelle blieb vorerst im Besitz des Erzbischofs, bis sie vom Stift erworben wurde. Seit 1970 ist der Zellhof mit Ausnahme der Landwirtschaft an die Pfadfinder Österreichs verpachtet.
Baugeschichte
Urkundlich erst 1458 erstmals erwähnt, reicht die Geschichte der heutigen Kapelle wesentlich weiter zurück. Aufgrund archäologischer Grabungen des Jahres 2001 kann das Mauerwerk heute auf das 11./12. Jahrhundert (möglicherweise sogar 10. Jahrhundert) datiert werden, zudem gab es bereits einen Vorgängerbau.
Romanische Mauern und barocker Turm
Im Zuge der Restaurierung der Kirche in den Jahren 2000–2004 konnten interessante Entdeckungen gemacht werden: Teilweise freigelegte romanische Rundbogenfenster, romanische Wandnischen mit Freskenresten im Inneren und mehrere Bestattungen rund um die Kirche und unter den heutigen Fundamenten bezeugen das hohe Alter des Gotteshauses, das nach Adaptierungen im 15. Jahrhundert in der Barockzeit baulich vergrößert und verändert worden ist (Erweiterung und Errichtung eines Turmes). Damit in Zusammenhang steht wohl die Portalinschrift von Erzbischof Paris Graf Lodron (1619–1653) mit der Jahreszahl 1620.
Lokales Wallfahrtsziel – einst reicher Votivbilderschatz
Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert wurde die Zellhofkapelle Ziel einer lokalen Wallfahrt zu Ehren der Muttergottes. Vom einstmals reichen Votivbilderschatz haben sich in Mattsee 35 Bilder erhalten, wobei sich der Großteil heute wieder in Zellhof befindet. Das älteste Bild datiert aus dem Jahr 1707, es kann im Mattseer Stiftsmuseum besichtigt werden (68 weitere Tafeln sind seit 1912 im Besitz des heutigen Salzburg Museums).
Innenraum
Im Inneren präsentiert sich die Zellhofkirche als heiterer Saalraum des Spätbarock, der im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach verändert worden ist. Vom ursprünglichen Stuckdekor des Henndorfer Meisters Christoph Fenninger haben sich nur mehr Restbestände erhalten, ein Großteil der Raumhautgestaltung entstammt einer Renovierung der Jahre 1910/11, den Gemäldezyklus eines Marienlebens schuf Josef Gold in den gleichen Jahren.
Neobarocker Hochaltar mit ehemaligem Gnadenbild
Hauptblickfang in der Kirche ist der dem Mattseer Hochaltar nachempfundene neobarocke Hochaltar aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Mitte thront das ehemalige Gnadenbild, eine barocke Kopie der Altöttinger Madonna, überhöht im Gitterbaldachin von einem Medaillonbild mit der Darstellung des heiligen Georg, geschaffen von Josef Rattensperger. Der neue schlichte Zelebrationsaltar wurde nach Plänen von Architekt Mag. Peter Schuh 2003 errichtet.











