Die Kirchen von Mattsee: Stiftspfarrkirche St. Michael - Kreuzgang und Kapitelgruft

Im Zuge einer umfassenden Renovierung der Stiftskirche 1907/08 wurde der parallel zum nördlichen Seitenschiff verlaufende Kreuzgangflügel in den Kirchenraum integriert,

wobei unwissentlich der untere Teil des erst 1951 freigelegten spätgotischen Christophorusfreskos zerstört worden ist.

Kreuzgang Pfarrkirche Mattsee

Aufbewahrung von mehr als 100 Grabdenkmälern im Kreuzgang

Der spätmittelalterliche Kreuzgang wurde teilweise im 18. Jahrhundert umgebaut und beherbergt seit 1908 ehemals in der Kirche befindliche Grabsteine von Stiftsmitgliedern, Pflegern und anderen Persönlichkeiten aus verschiedenen Zeiten (14. -–19. Jh.). Aus den mehr als 100 Epitaphien, Grabplatten und Gedenkschriften können hier nur wenige vorgestellt werden (siehe auch Orientierungsplan).

Grab der Frau Diemut

Eine der bekanntesten und größten Grabplatten ist heute im östlichen Kreuzgangflügel an der Ostwand aufgerichtet. Sie bedeckte ursprünglich das Grab der Frau Diemut (b) aus dem Geschlecht der Herren von der Alben, die 1384 gestorben ist und weist bereits eine Inschrift in deutscher Sprache auf.

Grabplatte von Wolfgang Krientz

Grabplatte des Wolfgang KrientzSkulptural interessant ist die Grabplatte des 1510 verstorbenen Stiftsdekans Wolfgang Krientz (e) in unmittelbarer Nähe. Die geschlossenen Augen weisen auf den Tod hin, die feststehende Gestalt wirkt jedoch lebendig. Dieser Zustand zwischen Leben und Tod drückt wohl das Warten auf die endgültige Erlösung aus.

Epitaph von Melchior Krieg

Den Auferstehungsaspekt verstärkt das kleinformatige Epitaph des Stiftsdekans Melchior Krieg (f) aus dem Jahr 1624, das sich heute in der Stiftskirche unter der Orgelempore befindet. Mittelpunkt der Darstellung ist hier ein Halbrelief mit der Auferstehung Christi.

Der Kreuzweg

Diese Brücke zwischen Tod und Leben des Einzelnen in Verbindung mit dem Leben, Sterben und Auferstehen Christi schlägt in Kreuzgang und Kirche auch der von Prof. Vinzenz Schreiner (geb. 1928) im Jahr 2007 aus Schamott-Ton gefertigte Kreuzweg mit 14 Stationen und einer 15. Station der Auferstehung (2008) für die Kapitelgruft, der 2008 geweiht worden ist. Kraftvoll aus Ton mit der Hand modelliert, zeichnen sich die Relieftafeln durch einen ungeheuren Realismus aus, der dem Betrachter aus den Gesichtern entgegenleuchtet. Vinzenz Schreiner drückt es so aus: „Es gibt keine Worte mehr – nur Blicke begegnen einander“.

Die Kapitelgruft – NS-Gedenken, Gräber der Stiftsangehörigen ab 1959

KapitelgruftLinks an den Westflügel des Kreuzganges schließt nach einem Vorraum (Marienkapelle) die Kapitelgruft (13) an, in der seit 1959 Stiftspröpste und Kanoniker beigesetzt werden. Hier ist auch zwei Mattseer Priestern ein Gedenken gesetzt, die in der NS-Zeit durch ihr Leiden Zeugnis abgelegt haben: Kanonikus Leonhard Steinwender (1938–1940 im KZ Buchenwald, gest. und begraben 1961 in Mattsee) und Kooperator Heinrich Summereder (gest. 1943 im KZ Dachau).