Die Kirchen von Mattsee: Stiftspfarrkirche St. Michael - Altarraum

Die Ausstattung der Mattseer Stiftskirche lässt die Schwerpunkte des liturgischen Geschehens vor den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) erkennen – Hochaltar und Kanzel.

HochaltarHeute sind diese liturgischen Orte „Volksaltar“ und Ambo in Vierung und Altarraum wieder näher und in einfacher Form zusammengerückt. In ihnen spiegeln sich die beiden großen Teile der Messfeier wider: Wortgottesdienst (Ambo = Tisch des Wortes) und Eucharistiefeier (Zelebrationsaltar = Tisch des Brotes).

Das Chorgestühl

Optisch fallen aber die barocken „Vorgänger“ stärker auf, allen voran der Hochaltar, der vom prächtigen frühbarocken Chorgestühl, geschaffen vom Mattseer Tischler Matthäus Steinle um 1650 mit den Statuetten der 12 Apostel (Originale im Stiftsmuseum), flankiert wird.

Der Hochaltar

Dechant Franz Sebastian Wisinger ließ diesen Marmor-Hochaltar (1) (S. 19) 1733 nach dem Vorbild des Altars in der Schlosskirche Mirabell in Salzburg errichten. Das Altarblatt schuf im gleichen Jahr der Salzburger Hofmaler Jacob Zanusi (1679–1742). Ursprünglich als Gemälde der sieben Engel vor dem Thron Gottes geplant, wurde schließlich der hl. Michael ohne kämpferische Gebärde mit zwei weiteren Engeln in Anbetung vor der Heiligsten Dreifaltigkeit dargestellt.

Die Altarplastiken

Die vom Neumarkter Bildhauer Paul Mödlhammer gelieferten Altarplastiken der vier Erzengel ergänzen diesen Engelreigen, wobei der hl. Gabriel (mit Lilie der Verkündigung an Maria) und der hl. Raphael (mit Fisch) eindeutig identifizierbar sind.

Kanzel

Kanzelkorb mit Evangelistensymbolen und Bild Aussendung der ApostelDie Kanzel als ehemaliger Ort der Predigt wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts an der Stelle des ehemaligen Lettners errichtet, einer Wand, die den Klerikerraum vom Bereich der Laien getrennt hat. Sie stammt vermutlich aus der Werkstatt des Burghausener Bildhauers Ferdinand Oxner und zählt zu den wenigen kastenförmigen Kanzeln unseres Landes. Bemerkenswert sind ihre Bilder und ihr skulpturaler Schmuck.

Darstellungen auf der Kanzel

Die Evangelistensymbole am Kanzelkorb erinnern den Betrachter an das eine Evangelium (frohe Botschaft) von Jesus Christus, den die Gemälde am Korb und Stiegenaufgang als Heiland der Menschen darstellen. Jesus heilt hier Lahme, Aussätzige, Blinde und Taube und sendet die Apostel zur Verkündigung und zum Heilungsdienst aus. Damit den Predigern das Übersetzen dieser heilenden und stärkenden Botschaft Gottes in das Leben der Menschen hinein gelingt, dürfen sie auf den Heiligen Geist vertrauen, der sich an der Unterseite des Schalldaches in Gestalt der Taube befindet.

Seitenaltäre

An den Enden der beiden Querarme befinden sich die einander im Aufbau entsprechenden Seitenaltäre. Sie entstanden im Auftrag von Dechant Johann Sebastian Wisinger.

Der nördliche Altar

Der Seitenaltar der Maria Trost Bruderschaft1700 wurde der nördliche Seitenaltar der Maria Trost Bruderschaft errichtet (gegründet 1689), sein Hauptaltarblatt zeigt das Bruderschaftsbild Maria Trost, darüber das Medaillonbild des hl. Nikolaus von Tolentino. Flankiert wird der Altar von den Heiligen Petrus und Paulus als Verbindungsgliedern Mattsees zur Weltkirche. Diese Statuen zeigen wie auch jene des südlichen Altares eine stilistische Nähe zur Werkstatt des Meinrad Guggenbichler. An den Seitenwänden dieser Kapelle befinden sich barocke Ölbilder des hl. Augustinus und seiner Mutter, der hl. Monika.

Der südliche Altar

Der Altar zu Ehren des hl. Märtyrers CoelestinDer südliche Altar wurde 1704 zu Ehren des hl. Märtyrers Cölestin erbaut, dessen Reliquien 1685 dem Stift geschenkt worden waren. Im Bild des 19. Jahrhunderts wird Cölestin als Schutzherr über dem Ort und Stift Mattsee dargestellt, darüber befindet sich das Bild der Krönung der Muttergottes durch die Heiligste Dreifaltigkeit.

Die qualitätvollen Figuren der Erzmärtyrer Stephanus und Laurentius bilden den würdigen Rahmen dieses Altares, neben dem das Aussprache- und Beichtzimmer der Stiftskirche betreten werden kann. Die Wandbilder zeigen die Heiligen Rupert und Leopold.

Konsolfiguren im nördlichen und südlichen Querarm

Ebenfalls in den Querarmen befinden sich zwei Konsolfiguren des um 1685 errichteten und 1852 abgetragenen Pestaltares. Die der Gmundener Werkstatt von Michael Zürn d. J. zugeschriebenen heiligen Sebastian und Rochus künden als ehemalige Pestpatrone in einem Zeitalter schwerer Seuchen von den Nöten und Hoffnungen vergangener Generationen auf körperliches Heil. Anstelle dieses Altars wurde am westlichen Ende des südlichen Seitenschiffes eine ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhundert aufgestellt.

Kirchenorgel

OrgelDie heutige Orgel der Stiftskirche wurde im historischen Gehäuse von 1710 in den Jahren 1971/72 von der Firma Dreher & Reinisch aus Salzburg in mechanischer Bauweise (18 Register) errichtet und 2006 generalsaniert. Seit dem Jahr 1972 trägt sie den Namen Diabelli-Orgel, benannt nach Anton Diabelli (1781–1858), der als gebürtiger Mattseer in Wien als namhafter Komponist, Pädagoge und Verleger tätig war. Die Emporenbrüstung zieren Grisaillebilder der Engelschöre in vergoldeten Akanthusrahmen.

Grabsteine – Orte der Vergänglichkeit und der Auferstehungshoffnung

In der Mattseer Stiftskirche befinden sich viele Grabsteine und Gedenktafeln verstorbener Stiftsmitglieder oder anderer Personen. Sie erinnern den Eintretenden an die Vergänglichkeit allen Seins und wecken in ihren Inschriften und Darstellungen doch die Hoffnung auf einen guten Ausgang des Lebens. Besonders ins Auge stechen hier am Übergang der Vierung in den Altarraum die beiden Grabsteine des 1774 verstorbenen Stiftsdechanten Franz Sebastian Wisinger und des 1780 verstorbenen Andreas Heinrich Moser aus Untersberger Marmor.

Werktagskapelle

Werktagskapelle mit barockem WandkreuzDie ehemalige Marienkapelle wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet und 1908 durch die Öffnung der beiden Arkaden zum südlichen Seitenschiff in den Kirchenraum einbezogen. Sie dient heute mit dem kleinen modernen Wandtabernakel als Sakramentskapelle für die Gottesdienste der Wochentage.

Wandkreuz und Grabstein

Das barocke Wandkreuz war früher in der Laurentiuskirche als Triumphbogenkreuz angebracht. In die Rückwand dieser Kapelle ist der älteste heute in der Kirche befindliche Grabstein (c) eingelassen. Er wurde für den Bauherren der Kapelle, Dechant Christian Gold († 1388) errichtet.

Gewölbe mit Wandmalereien

Das im Stil der Kirche stuckierte Gewölbe zeigt in seinen Stuckrahmen Wandmalereien, die das Kreuzesgeheimnis zum Thema haben (Stunde des Kreuzestodes, Probe des wahren Kreuzes), begleitet von alttestamentlichen Szenen (Sündenfall, Ermordung Abels durch Kain).