logo-verlag-st-peterStadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt - Vils in Tirol

Der Kirchenbau

Außenbau
Die Pfarrkirche bildet den nördlichen Abschluss des Stadtplatzes. Schon von weitem sichtbar ist der massige Turm mit Zwiebelhaube, der sich seit einem Erdbeben von 1755 nach Osten neigt. Schon der ehemals an der Nordseite befindliche gotische Turm hatte mit ungünstigem Untergrund zu kämpfen, was 1709 zur Verlegung des Turms an die Südwestecke des Baus führte. Vor Langhaus und Chor schiebt sich südwärts die dreiachsige Katharinenkapelle,deren geschwungenes Giebelfeld eine barocke Maria mit Kind, wohl von Nikolaus Babel, enthält; östlich die alte Sakristei, ihr gegenüber auf der Nordseite die neue Sakristei. So besitzt die Pfarrkirche aufgrund ihrer Lage am Rand eines Abhanges keine eigentliche Fassade; die von Turm, Katharinenkapelle und ehemaliger Sakristei (heute Andachtskapelle) umstellte Südseite übernimmt die Funktion der Haupteingangsseite.

Blick in den InnenraumInnenraum
Deutlicher als am Außenbau lässt sich im Innenraum die Struktur des Kirchengebäudes ablesen. Dem einfachen Saalraum zu drei Fensterachsen folgt im Anschluss an den Chorbogen ein etwas eingezogener, zweiachsiger Chorraum mit Dreiachtelschluss. Charakteristisch für die Architektur J. J. Herkomers sind die vertikale Koppelung von Hochovalfenstern mit den darunter liegenden Rundbogenfenstern über deren gerader Verdachung. Hinter der westlichen Fensterachse schließt sich die von Säulenpaaren getragene, doppelstöckige Orgelempore mit nach vorne gestaffelter Brüstung an. Im Südwesten des Langhauses öffnet sich ein hoher, verdachter Rundbogen gegen die Katharinenkapelle. Über der alten Sakristei befindet sich das ehemals zur Katharinenkapelle hin ausgerichtete Oratorium der von Hohenegg und später der Pfleger von Vils (heute durch ein Kreuzweggemälde verdeckt). Der Turm enthält ein weiteres, kleines Oratorium, dessen Öffnung zum Langhaus hin ebenfalls hinter einem Kreuzweggemälde verborgen liegt. Vergleichbar anderen Flachdecken Herkomers leitet auch hier in Langhaus, Chor und Katharinenkapelle jeweils eine breite Kehlung von der Wand zu einer dem Grundriss eingeschriebenen Spiegeldecke über, wobei die hochovalen Fenster in die Kehlung einschneiden.

Stuck und Deckenbild


Deckenstuck in Chor und Langhaus
Den künstlerischen Höhepunkt der Kirche bilden die reichen Stuckaturen von MATTHIAS LOTTER (möglicherweise nach Entwurf von J. J. Herkomer), die selbst ein Bildprogramm entwickeln und damit nicht zuletzt auf den der Deckenmalerei traditionell vorbehaltenen Bereich übergegriffen haben. In den geometrischen Rahmenfeldern der Kehlungen und an der Flachdecke von Langhaus und Chor präsentiert sich, umgeben von Blattranken, Muscheln und Putten, ein Marianischer Symbolzyklus gemäß der Lauretanischen Litanei bzw. nach Vorbildern aus dem Alten Testament in grauem und rosafarbigem Stuck mit teilweiser Goldfassung auf grauem bzw. gelblichem Grund. Der im Uhrzeigersinn umlaufende Zyklus beginnt auf der Südseite des Chores mit der Pforte des Himmels (Jungfräulichkeit Mariens), einem Blumenkranz (Reinheit Mariens) und dem Morgenstern (Abglanz göttlicher Herrlichkeit Mariens), setzt sich im Langhaus über der Südseite des Chorbogens mit dem brennenden Dornbusch (entbrannte Liebe Mariens zu Gott) fort und wird an der Gewölbekehlung des Langhauses mit einem Brunnen (Maria als Heilsquelle), dem Goldenen Haus (Maria als Wohnstätte Christi) und der Zyperntraube (Maria als Labsal für die Menschen) weitergeführt. Nur in Vils ist die Garbe dargestellt, vermutlich als Sinnbild der Eucharistie. Es schließen sich ein Leuchter (Vollkommenheit und hoher Wert Mariens; Garbe und Leuchter sind vom Orgelprospekt verdeckt), ein Granatapfel (Hervorbringung der köstlichen Frucht Jesus), der Turm Davids (Tugendhaftigkeit Mariens) und die Arche Noah mit der Taube Noahs (Zuflucht bei Maria, ihre Makellosigkeit) an. Eine Lilie (Reinheit Mariens) an der Nordseite des Chorbogens leitet zurück in den Chor, wo den Abschluss die geheimnisvolle Rose (Schönheit Mariens ohne Sünde), ein Palmzweig (Erhabenheit Mariens), der Spiegel der Gerechtigkeit (Reflexion der göttlichen Gnadenstrahlen auf die Menschheit durch die Geburt Christi) sowie eine Krone mit Zepter (Insignien der Himmelskönigin) bilden.

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Zusammen mit den Bildern am Hochaltar sowie dem Deckenfresko bilden die insgesamt 22 stuckierten Sinnbilder in der Vilser Stadtpfarrkirche ein eindrucksvolles Marienlob, das auf höchste Verehrung der Himmelskönigin hinzielt. Während die bildhaften Mariensymbole im Chor den Anrufungen der Muttergottes in der Lauretanischen Litanei (erstmals 1561 in Loreto bezeugte Reimlitanei nach älteren Quellen) entnommen sind, gehen einige Symbole der Langhausdecke auf Vorbilder aus dem Alten Testament zurück, so z. B. der „Brennende Dornbusch“ (Ex 3,2–6), der Brunnen als Symbol für den „Versiegelten Quell“ (Hld 4,12) oder die ebenfalls dem Hohelied Salomos entnommene „Zyperntraube“.


Deckenspiegel im LanghausDeckenspiegel im Langhaus
Auch die Symbolik des Deckenspiegels im Langhaus verweist auf die heilige Jungfrau Maria. Die Sonne (strahlende Reinheit Mariens) beherrscht das vierpassförmige Mittelfeld. Dieses wird flankiert von zwei kleineren Feldern, die einen von Strahlen umsäumten Wolkenkranz mit Putten enthalten; der westliche Kranz enthält das Jesus-Monogramm IHS, im östlichen befindet sich eine Öffnung für die Heilig-Geist-Taube. Die vier Zwickelflächen zwischen den Hauptfeldern werden von kleineren ovalen Medaillons eingenommen, die einen Olivenbaum (Fruchtbringerin Maria), die Zypresse des Berges Sion (Maria als Trägerin der Sehnsucht nach dem ewigen Jerusalem), schließlich eine Palme und eine Platane (herausragende Größe Mariens) enthalten.

Deckenbild im Chor
Gegenüber der verschwenderischen Stuckatur nimmt die Deckenmalerei, auch qualitativ, einen nur untergeordneten Rang ein. Sie beschränkt sich auf den Chor, wo im Deckenfeld die von Engeln begleitete Krönung Mariens durch Gottvater und Jesus Christus dargestellt ist. Als Künstler für das um 1730/40 entstandene Deckenbild kommt aufgrund von Stilvergleichen der aus Pfronten stammende Maler BARTHOLOMÄUS STAPF(1704-1766) in Frage.


 
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