logo-verlag-st-peterStadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt - Vils in Tirol

Einrichtung

Himmelfahrt Mariens, Hochaltarblatt von Alexander Kranzner, 1682Hochaltar
Der mächtige Hochaltar von GOTTHARD WÖRLEaus Vils (um 1714), in den wohl Teile eines Vorgängeraltars von Nikolaus Babel integriert sind, weist über den seitlichen Durchgängen Skulpturen des hl. Ulrich (links) und des hl. Antonius von Padua (rechts) auf, die nach neueren Forschungen dem Pfrontener Bildhauer MAXIMILIAN HITZELBERGER zuzuweisen sind. Das von dem in Füssen arbeitenden Maler ALEXANDER KRANZNER signierte und 1682 datierte Hochaltarblatt zählt zu den überragenden Malereien des Barock um 1700 im Füssener Land. Mit kräftigem Kolorit in lasierendem Farbauftrag wird die Himmelfahrt Mariens geschildert. Das Bild des Altarauszugs, Maria wird von Christus im Himmel begrüßt, stammt von PAUL ZEILLER.

2002 wurden im Zuge der Innenrenovierung auch der Zelebrationsaltar sowie der Ambo, beide gefertigt aus Vilser Marmor und nach Entwürfen von Stadtpfarrer Rupert Bader, aufgestellt. Symbolisch steht hinter der Gestalt des Zelebrationsaltares die Verbindung vom Alten zum Neuen Testament. Der Altarfuß bedeutet den Hörneraltar, der vom alttestamentarischen Gottesvolk für die Opfer an den Gott Jahwe verwendet wurden. Die oben aufliegende Mensa stellt das Paschamahl Christi beim Letzten Abendmahl dar. Ohne Opfer des Alten Bundes ist das Bundesopfer Jesu Christi nicht zu erfassen.

Hochaltar, Skulptur des hl. Ulrich Hochaltar, Skulptur des hl. Antonius von Padua



Linker Seitenaltar, Altarblatt „Arme Seelen vor Jesus, Maria und Josef“Seitenaltäre
Die Dachungsengel des Hochaltars wie die der spätestens um 1680/90 entstandenen Seitenaltäre sprechen für eine Beteiligung der Pfrontener NIKOLAUS-BABEL-WERKSTATT an sämtlichen Altararchitekturen. Die aus geraden äußeren und gewundenen inneren Säulen – Abbild der Säulen des Jerusalemer Tempels, damit Symbol für den Alten Bund – komponierten Aufbauten enthalten Gemälde von der Hand des vielbeschäftigten Reuttener Malers PAUL ZEILLER. Das um 1705 zu datierende Altarblatt des linken Seitenaltars (für die Jesus-Maria-und-Josef-Bruderschaft) zeigt die Armen Seelen vor Jesus, Maria und Josef, im Auszug erscheint Gottvater. Auf der Mensa wurde ein Reliquienschrein mit dem Leib des hl. Cäsar 1737 zur Verehrung ausgesetzt. Das 1705 datierte und signierte Blatt des rechten Seitenaltars stellt den von Engeln umgebenen hl. Sebastian dar, das Auszugsbild den hl. Rochus. Seit 1776 werden in einem Reliquienschrein die Gebeine des Märtyrers Vincentius präsentiert.


Kanzel

Die etwa gleichzeitig mit den Seitenaltären entstandene Kanzel – ihre Vergoldung und die blaue Lüsterfarbe stehen im farblichen Gleichklang mit den Seitenaltären und dem Hochaltar – stammt sehr wahrscheinlich ebenfalls aus der WERKSTATT DES NIKOLAUS BABEL. Ihr Corpus enthält die Schnitzfiguren des Christus Salvator und der vier Evangelisten Markus, Matthäus, Johannes und Lukas. Den Schalldeckel bekrönt der Posaune blasende Erzengel Michael, der in seiner Linken eine Schriftkartusche hält.



Figur des hl. Joseph, Ende des 17. JahrhundertsSonstige Einrichtung
Die Leiden Christi im Augenblick seines Todes veranschaulicht der im Chorbogen aufgehängte, lebensgroße Kruzifixus auf eindringliche Weise. Er wurde wie die Seitenaltäre um 1680/90 von NIKOLAUS BABEL geschaffen. Gemäß der Volksüberlieferung geht diese Arbeit auf die Erfüllung eines Gelöbnisses des Bildhauers für seine geglückte Flucht aus dem Füssener Gefängnis in das Asyl gewährende Vils zurück. Weitere Skulpturen: Seitlich im Chor sind seit 2012 zwei barocke Statuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus vom ehemaligen barocken Vorgänger-Hochaltar, entstanden um 1682 vermutlich in der Werkstatt des Nikolaus Babel, aufgestellt. An der Ostseite des Durchgangsbogens zur Katharinenkapelle eine gute Figur des hl. Joseph vom Ende des 17. Jahrhunderts, die GEORG BAYRHOFFaus Füssen zuzuweisen ist. An der linken Langhauswand ist eine barocke Statue von Christus an der Geißelsäule zu sehen, die bei der Renovierung 2002 in der dafür vorgesehenen Nische aufgestellt wurde. Meist im Pfarrhof aufbewahrt wird ein bemerkenswertes spätgotisches Vortragskreuz, geschaffen um 1520 von einem unbekannten Meister. In der Fastenzeit werden an allen vier Altären Fastentücher angebracht. Während jene am Hochaltar (Motiv: Christus am Ölberg) sowie am linken Seitenaltar jüngeren Datums sind, stammen die Fastentücher am rechten Seitenaltar (Motiv: Ecce homo) und am Katharinenaltar (Motiv: Kreuztragung) noch aus der Barockzeit. Der Kreuzweg aus vierzehn großformatigen Gemälden ist ein Werk PAUL ZEILLERS(Signatur bei der XI. Station). Ursprünglich sicherlich für Vils geschaffen, wurde die Anordnung im Kirchenraum in späterer Zeit verändert. Heute befinden sich im Chor Station I und XIV, in der Katharinenkapelle Station II bis IV, an der Südwand Station V bis VII und an der Nordwand Station VIII bis XIII. Trotz traditioneller Motivik gelingt Zeiller eine vor allem in Kolorit und klarer Komposition begründete seelische Durchdringung des Passionsgedankens. Besonders bemerkenswert ist hierbei die von Stille und Trauer getragene Darstellung von Station XIV mit Christus, von einem Engel am Grabe bewacht.


KreuzwegstationIm Chor hat sich das Gestühl aus der Zeit des barocken Kirchenneubaus erhalten. Die seit 1973 leicht veränderte Aufstellung fasst beidseitig jeweils fünf Stallen zusammen. Die Gesamtdisposition wie auch Einzelformen (fleischiger Akanthus, Muschelbekrönungen) verraten den Einfluss des kurz zuvor entstandenen Chorgestühls in der nahen Füssener Klosterkirche St. Mang. Der ausführende Meister des wohl um 1712/14 entstandenen Vilser Gestühls ist unbekannt. Über den beiden Seitentüren des Chores befinden sich holzgeschnitzte und farbig gefasste barocke Aufsätze: links (nördlich) über dem Eingang in die neue Sakristei eine Madonna mit Kind (dem Füssener ANTON STURM zugeschrieben) zwischen den Statuetten der hll. Joachim und Anna, rechts (südlich) über dem Eingang in den Andachtsraum die Verkündigung der frohen Botschaft an Maria, seitlich Statuetten des hl. Antonius von Padua (alle drei barocken Statuetten von NIKOLAUS BABEL, um 1723) und der hl. Ulrich (neu geschnitzt von Norbert Roth aus Vils). Im Zuge der Innenrenovierung 2002 erfolgte auch die Umwandlung der ehemaligen Sakristei in einen Andachtsraum. Dieser wahrt das Andenken an den aus dem nahen Füssen stammenden Pater Franz Xaver Seelos (1819–1867), der als Redemptoristenpater in der Missionsarbeit in den USA mit großer, selbstloser Fürsorge wirkte. Am 8. April 2000 wurde er durch Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen. Anlässlich der Weihe des neuen Hauptaltares (Volksaltar) im Chor der Pfarrkirche wurden hier auch Reliquien des sel. P. Franz Xaver Seelos eingesetzt. Die Pfarre Vils verfügt über wertvolles, barockes liturgisches Gerät. Die oben dargestellten Kelch, Ciborium und Kreuzpartikel-Reliquiar (mit Reliquien vom heiligen Kreuz und vom Apostel Andreas) stammen aus der Werkstatt des Augsburger Goldschmiedemeisters LUDWIGSCHNEIDER aus dem Jahr 1696.






Blick zu den Westemporen und OrgelOrgel
Die heutige Orgel auf dem Obergeschoß der Westempore besaß drei Vorgänger, während der Prospekt jeweils weitgehend beibehalten wurde. Die erste Orgel mit 8 Registern errichtete Georg Ehinger aus Aitrang 1727 auf Veranlassung und Kosten des Füssener Abtes Dominikus Dierling. 1789 wurde im alten Gehäuse ein neues Orgelwerk installiert und an der Emporenbrüstung ein Positiv für ein zweites Manualwerk eingebaut, womit die Orgel über 18 Register verfügte. 1907 erfolgte zugleich mit der Umstellung auf das System der pneumatischen Kegellade die Rückführung auf ein Manual zu 12 Registern, wodurch das Positiv bloße Attrappe wurde, während dem Hauptgehäuse große seitliche Felder angefügt wurden; eine Erweiterung um 4 Register wurde 1927 vorgenommen. Die heutige Orgel, ein von der Firma GEBRÜDER MAYER (Feldkirch, Vorarlberg) in das historische Gehäuse (Anwander 1790) eingebautes mechanisches Instrument, wurde 1995 eingeweiht. Das Brüstungspositiv ist nun wieder mit Musikleben erfüllt. Auch die Orgelverbreiterung wurde im Zuge des Neubaus wieder rückgängig gemacht. Nun stellt sich das neue Instrument wieder in einem klassischen Proportionsverhältnis dar. Das ganze Orgelgehäuse wurde von der Rückwand weggerückt, um Platz für den neuen Emporenaufgang zu schaffen und um die Orgel gut zugänglich zu machen. Der Orgelprospekt ist gut sichtbar und hat damit eine hervorragende Klangabstrahlung in den Kirchenraum. Das neue Instrument enthält auf zwei Manualen (HW, RP) und Pedal 18 klingende Register mit mechanischer Spiel- und Registertraktur. Das Ovalbild an der Orgelbrüstung zeigt den hl. Aloisius von Gonzaga.




 
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