logo-verlag-st-peterDie Kirchen von St. Michael im Lungau

ÜbersichtSt. Michael im LungauFilialkirche St. Martin
Filialkirche St. Martin: Ansicht von SüdwestenFilialkirche St. Martin

Im östlich von St. Michael gelegenen Nachbarort St. Martin im Lungau steht die dem gleichnamigen Orts- und Kirchenpatron, dem hl. Bischof von Tours geweihte Kirche. Sie wird erstmals im Jahr 1163 urkundlich erwähnt. Der Tradition nach soll die damals als „ecclesia“ bezeichnete Kirche die „ältere Pfarrkirche“ gewesen sein, bis wenig später (um 1170/1220) die Pfarrrechte an St. Michael übergingen.

Außenbau und Fresken
Das Äußere der vom Friedhof umgebenen Kirche prägen der massive Westturm und die umlaufenden Strebepfeiler. Zum Bauensemble gehört auch noch die südöstlich neben der Kirche stehende Annakapelle, der ehemalige Karner.

Außen an der Nordwand der Filialkirche hat sich ein bemerkenswerter Freskenzyklus aus dem späten 14. Jahrhundert erhalten (restauriert 1979). Die Darstellungen, von Ost nach West: Christus in der Mandorla als Weltenrichter zwischen den Aposteln (durch das später ausgebrochene Fenster teilweise fragmentiert) und dem rechts von Christus knienden hl. Johannes dem Täufer; weiter rechts folgen stehende Heilige, durch ihre Attribute erkennbar als Leonhard, Ulrich, Dorothea, Margaretha und Paulus, ferner weitere Heilige, von denen Maria Magdalena mit der Salbbüchse, Bischof Wolfgang mit dem Kirchenmodell und Katharina von Alexandrien mit dem Rad eindeutig identifizierbar sind. Den Abschluss bildet eine Kreuzigungsdarstellung mit Maria und Johannes.

An der Turmsüdseite ist ein spätrömischer Grabstein mit dem Reliefbildnis eines Ehepaares eingemauert. Das Kreuzigungsfresko schräg darunter stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, ebenso das Ölbergfresko etwas weiter rechts an der Westwand. An das bedeutende Gewerkengeschlecht der Herren von Heiß erinnert der Marmorgrabstein des Leonhard Heiß († 1559) in der Turmvorhalle.

Blick in den Innenraum der Filialkirche St. Martin

Innenraum und Einrichtung
Der einschiffige, mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe gedeckte Raum, an den hinter dem weit heruntergezogenen Triumphbogen der rechteckige Altarraum anschließt, ist im Kern noch romanisch. An der Nordwand konnten 1964 zwei Seccomalereien des Jüngsten Gerichtes und der Enthauptung des hl. Johannes des Täufers (2. Hälfte 16. Jh.) freigelegt werden.

Die barocke Einrichtung, geschaffen 1738 von JOSEF ANDRÄ EISL, präsentiert sich als einheitliches Ensemble. Der Hochaltar mit seinem schwungvollen Dreisäulenaufbau zeigt am Hauptbild den Kirchenpatron St. Martin hoch zu Ross in der bekannten Szene, in der er einem Bettler die Hälfte seines Mantels reicht. Das Bild flankieren Statuen der hll. Apostelfürsten Petrus und Paulus bzw. außen der hll. Joseph und Andreas. Das Oberbild zeigt die Krönung Mariens. Die beiden Seitenaltäre schmücken links das Passauer Maria-Hilf-Bild (Oberbild hl. Joachim) bzw. rechts das Bild der hl. Maria Magdalena (Oberbild hl. Anna), jeweils begleitet von Statuen der hll. Johannes Nepomuk und Ignatius von Loyola (rechts) bzw. der hll. Jakobus d. Ä. und Katharina. Die Konsolfiguren seitlich des Chorbogens stellen die hll. Georg und Florian dar, darüber ist eine Kreuzigungsgruppe angebracht, wobei das geschnitzte Kruzifix von 1674 ausgesägte Brettfiguren der hll. Maria und Johannes flankieren. Die Kanzel schmücken am Korb Bilder der vier Evangelisten.

Als wertvolles Kleinod wird in der Kirche ein spätgotischer Flügelaltar, der dem Kirchenpatron gewidmet ist, aufbewahrt. Die Szene der Mantelspende des hl. Martin im Mittelschrein ist „in ergreifender Innigkeit“ (J. Neuhardt) um 1520 von einem Salzburger Schnitzer geschaffen worden; die beiden Flügel zeigen im geöffneten Zustand Bilder der Muttergottes mit dem Kind und des Ritterheiligen Georg, im geschlossenen Zustand die hll. Elisabeth und Barbara.

Spätgotischer  FlügelaltarAnnakapelle
Im südöstlichen Friedhofsbereich steht der achteckige, ehemals zweigeschossige gotische Karner. Der bis 1613 als Rochuskapelle und heute als Annakapelle bezeichnete Bau wurde im 19. Jahrhundert verändert (u. a. Gruftgewölbe eingeschlagen). Durch die Westtür mit interessantem Schlüsselblatt aus dem 17. Jahrhundert gelangt man ins Innere. Das Gewölbe zieren spätgotische Wandmalereien mit Rankenzier und den Symbolen der vier Evangelisten in Rundmedaillons; über den Apostelkreuzen sind barocke Seccobilder der zwölf Apostel von GREGOR LEDERWASCH (1731) angebracht. Der barocke Altar (Mitte 18. Jh.) mit der Statue des Christus an der Geißelsäule wurde aus der Wolfgangkapelle hierher versetzt. In der Nische über dem Eingang zeigt ein barockes Bild Maria als Kind mit ihren Eltern Joachim und Anna.