logo-verlag-st-peterStadthauptpfarrkirche St. Jakob in Villach

Baugeschichte

St. Jakob in Villach ist eine der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Kirchen im Land. Der Kirchenbau, die Kunstwerke und Grabdenkmäler des Gotteshauses geben dem Besucher Einblicke in die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner.

Vorromanische und romanische Bauphasen
Eine Kirche, die dem heiligen Jakob geweiht ist, wird zum ersten Mal im Jahr 1136 genannt. Es ist aber durchaus anzunehmen und in den letzten Jahren archäologisch untermauert worden, dass bereits um das Jahr 1000 eine Kirche im Bereich des oberen Kirchplatzes errichtet wurde. Aufgrund von Mauerresten, die unter der heutigen Kirche gefunden wurden, geht die neuere Forschung sogar von zwei Vorgängerbauten aus:  einer romanischen Kirche und einem Vorgängerbau, der noch nicht genauer bestimmbar ist.

Im Chorbereich wurden im Zuge von Renovierungsarbeiten archäologische Untersuchungen (2005 und 2013) vorgenommen. Dabei wurden Mauerreste von massiven Türmen unter dem Bodenniveau gefunden. Das Grabungsteam (Dr. Karpf vom Stadtmuseum Villach und Mag. Vetterling, Bamberg) konnte damit nachweisen, dass der romanische Vorgängerbau Chorflankentürme hatte. Die Zugehörigkeit zum Bistum Bamberg unterstreicht diese Annahme (der Bamberger Dom hat ebenfalls eine Doppelturmanlage).

Noch ältere Mauerteile im Baugefüge der romanischen Kirche, die auch auf eine Krypta hinweisen, und Funde von Schläfenringen (Grabbeigaben) erlauben sogar die Vermutung, dass es bereits im 9./10. Jahrhundert einen ersten Friedhof mit dazugehörigem Kirchenbau gab. Wenn dies durch neuerliche Grabungen bestätigt werden kann, muss die Kirchengeschichte Villachs neu geschrieben werden. Bisher wurde ja angenommen, dass die Jakobskirche im 11. Jahrhundert von Bamberg gegründet wurde.


Der gotische Chor
Am 25. Jänner 1348 wurde die romanische Kirche durch ein schweres Erdbeben zerstört. Das Erdbeben richtete auch großen wirtschaftlichen Schaden in der Stadt an, sodass es mehr als hundert Jahre dauerte, bis die Kirche wieder vollständig aufgebaut war. Wie Vieles im Zusammenhang mit der Baugeschichte der Stadtpfarrkirche unklar ist, so sind auch die Namen der Baumeister, die hier tätig waren, nicht überliefert. Von 1360 bis 1370 wurde der schlanke gotische Chor errichtet.


Spätgotisches Langhaus und Kapellenanbauten
Der Aufbau des dreischiffigen Langhauses erfolgte erst in der Zeit von 1450 bis 1460 und ist stilistisch bereits der Spätgotik zuzuordnen. Die „neue“ Kirche erhielt anstelle der zwei Osttürme einen mächtigen Westturm. Durch Stiftungen adeliger Familien und wohlhabender Villacher Bürger entstanden Kapellenanbauten und die Orgelempore. 1462 stiftete Pfalzgräfin Katharina von Görz die Dreifaltigkeitskapelle (heute Dietrichsteinkapelle), 1482 Georg Leininger die Allerheiligenkapelle (heute Leiningerkapelle bzw. Taufkapelle) und Balthasar von Weißpriach (Bamberger Hauptmann in Wolfsberg) ermöglichte um 1480 den Bau der Orgelempore. Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Khevenhüller ihre Familiengrablege (Khevenhüllerkapelle).


Gewölbe im Langhaus, Veränderungen am Kirchturm
Nach dem Stadtbrand von 1524 entstand das Gewölbe mit Netz- und Schlingrippen. Bei einem Erdbeben 1690 stürzten neben dem Chor auch Teile des Turmes ein, was einen Neubau der Turmobergeschoße notwendig machte. 1784 zerstörte ein Brand die Kirchturmkuppel, die 1847/48 durch den neugotischen Spitzhelm ersetzt wurde. Im Jahr 1793 wurde die Friedhofskapelle (Michaelskapelle) abgetragen, nachdem unter Kaiser Josef II. der Friedhof um die Kirche aufgelassen worden war. Sie befand sich an der Nordseite der Kirche und stammte aus dem 13. Jahrhundert. Die Fundamente der Kapelle, die zweigeschoßig war und auch als Beinhaus diente, wurden bei verschiedenen Bauarbeiten und archäologischen Grabungen nachgewiesen und dokumentiert.


Baumaßnahmen im 20. Jahrhundert

1906 wurde der Platz um die Kirche neu gestaltet und der Aufgang zur Kirche mit der Brunnennische am Treppenansatz errichtet. 1923 entstand nach Plänen des Architekten KARL MARIA KERNDLE das monumentale Kriegerdenkmal an der Südseite des Turmes. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten ausführliche Renovierungsarbeiten und die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung des Kirchenraumes. 1995 bis 1999 wurde eine Gesamtrestaurierung des Kirchenschiffes durchgeführt.

 


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