logo-verlag-st-peterStadthauptpfarrkirche St. Jakob in Villach

Baubeschreibung

Zu Beginn sei hier ein Auszug aus den Tagebüchern des Paolo Santonino aus dem Jahr 1486 angeführt. Ende des 15. Jahrhunderts bereiste Santonino mit dem Bischof Pietro von Caorle im Auftrag des Patriarchen von Aquileia große Teile Kärntens. Seine Erlebnisse und Begegnungen hielt er in Tagebüchern fest. Im September 1486 weilte er auch in Villach. Über St. Jakob schreibt er: „Die Kirche selbst ist geräumig und hoch emporgeführt, und sowohl im Haupt- als auch in jedem Seitenschiffe durch ein festes Gewölbe abgeschlossen. […] Man zählt in ihr 14 Altäre mit den herrlichen Vorsatzplatten, bzw. Tafelbildern. In ihr gibt es auch eine Orgel mit vollem, süßem und harmonischem Ton. Am unteren Ende der Kirche steht, von ihr im Fundamente getrennt, der Turm, in Quaderwerk von oben bis unten gebaut, ein ausgezeichnetes und schönes Werk; er besitzt fünf wohlabgestimmte Glocken. […] Der Turm ist so großartig, wie ich mich nicht entsinne einen solchen in Venedig gesehen zu haben.“




Außenbau
Santoninos Bericht, auch wenn er über fünfhundert Jahre alt ist, beschreibt das Gotteshaus im Großen und Ganzen, wie es auch heute noch vor uns steht. Von weitem sichtbar im Zentrum der Stadt, etwas erhöht auf einem Plateau über dem Hauptplatz, erhebt sich der große gotische Kirchenbau mit dem markanten Kirchturm an der Westseite. Ursprünglich freistehend, ist der Turm erst in späterer Zeit (belegt seit dem 17. Jh.), wahrscheinlich aus statischen Gründen, durch eine offene Vorhalle mit der Kirche verbunden worden. Der freistehende Turm erklärt sich durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit Villachs zum Patriarchat von Aquileia, wo freistehende Türme (Campanile, Glockentürme) üblich waren. Das quadratische Turmuntergeschoß (14. Jh.) ist aus Quadersteinen gemauert und durch Ecklisenen und Bogenfriese gegliedert.

Die oberen Geschoße des Turmes sind wesentlich jünger; zerstört durch das Erdbeben von 1690 wurden sie erneuert und 1759 mit einer Turmhaube abgeschlossen. Nach einem Brand (1784) wurde der Turm in neugotischen Formen wiederhergestellt (1847). Den oberen Abschluss bilden ein auf Konsolen ruhender Umgang und ein achteckiger Aufsatz mit Spitzhelm und Kreuzblumen. Der Turm beherbergt die Kirchenglocken und dient in den Sommermonaten auch als Aussichtsturm. Durch ein reich profiliertes, spätgotisches Portal an der Ostseite betritt man den Turm und kann über die Stufen zur ehemaligen Türmerwohnung und zum Umgang gelangen. Der Umgang des 94 m hohen Turmes bietet eine herrliche Aussicht über Villach und die Bergwelt von den Hohen Tauern bis zu den Julischen Alpen. Seit 2007 befindet sich im Turm die Ausstellung „Der Jakobsweg in Kärnten“, die den Weg in Text und Bild zeigt.

Das spätgotische Langhaus der dreischiffigen Hallenkirche wird an den Außenmauern durch eine umlaufende Sockelzone und stark vorspringende Strebepfeiler, die zwei- oder dreifach abgetreppt sind, gegliedert. An das südliche Seitenschiff wurden die Khevenhüllerkapelle und die Dietrichsteinkapelle angebaut.

Im Osten schließt sich der etwas niedrigere Chor an. Er hat die Breite des Mittelschiffs und hebt sich vom Langhaus durch etwas aufwendiger gestaltete Strebepfeiler, die z. T. mit Tierfiguren bekrönt sind, und sehr schlanke spitzbogige Maßwerkfenster ab. Bei den Tierskulpturen handelt es sich um eine Katze, einen Adler und einen Hund aus dem 19. Jahrhundert; der Löwe dürfte älter sein.An der Fassade sind Kopien angebracht, die Originale werden im Turm aufbewahrt. An der Südwand des Chores befindet sich die Sakristei. Das nördliche Seitenschiff wird im Osten durch einen kleinen Chor, die Tauf- oder Leiningerkapelle, abgeschlossen.

Das Nordportal zeigt in der kielbogenförmigen Steinrahmung das Villacher Stadtwappen und die Bauinschrift 1547. Sehr schön ist das hölzerne Bogenfeld, das 1551 von Christoph Hasenberger, einem Villacher Bürger gestiftet wurde. Es zeigt einen Wappenschild mit einem springenden Hasen über einem Dreiberg.

Das Südportal ließ sein Bruder, der Ossiacher Abt Andreas Hasenberger, errichten. Es zeigt das Stiftswappen von Ossiach und das Familienwappen der Hasenberger (1552). Rechts vom Nordportal befindet sich eine Steinskulptur der hl. Barbara, der Patronin des Bergbaus, von JOSEF KASSIN (1906).

Das spätgotische Westportal hat eine barocke Holztür. Rechts vor dem Portal steht auf einer Konsole die Skulptur des Kirchenpatrons, des hl. Jakob. An der Außenmauer der Kirche sind zahlreiche Grab- und Gedenksteine eingemauert. Sie stammen vom ehemaligen Friedhof, der sich seit frühester Zeit um das Kirchengebäude herum befand. Als er im 18. Jahrhundert aufgelassen wurde, verwendete man die Steine als Pflastersteine in der Kirche. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie aus konservatorischen Gründen vom Boden entfernt und an die Kirchenwände übertragen. Zusammen mit den Gedenksteinen im Inneren der Kirche sind es insgesamt ca. 100 Steine aus dem 14. bis 20. Jahrhundert; der älteste stammt aus dem Jahr 1389.

Innenraum
Man betritt die Kirche durch das Hauptportal im Westen. Die dreischiffige Hallenkirche überrascht durch Weite und Großzügigkeit des Kirchenraumes. Haupt-und Seitenschiffe der Kirche sind annähernd gleich hoch und durch fünf elegante, schlanke Säulenpaare gegliedert. Das Gewölbe aus Netz- und Schlingrippen verbindet die drei Schiffe zu einer einzigen Halle. Dieses Verschmelzen ist charakteristisch für die Architektur der Spätgotik. Die Farbgebung ist einfach aber wirkungsvoll in ihrem Kontrast. Die rötlichen Säulen und Rippen heben sich sehr deutlich von den weißen Mauern der Wände und des Gewölbes ab. Das westlichste der sechs Joche wurde in den Orgelchor einbezogen, das östliche Joch ist um drei Stufen erhöht. Durch die Säulenpaare hindurch wird der Blick nach Osten geleitet, in den hellen, hohen Chor, der den Hochaltar birgt.

Der Name des Baumeisters ist nicht bekannt. Es lassen sich aber Parallelen zum Werk des bekannten bayerischen Baumeisters Hans von Burghausen und zur Arbeit seiner Nachfolger finden (z. B. Chor der Franziskanerkirche in Salzburg). Typisch für den Kreis um Hans von Burghausen sind Säulen mit Schaftringen, aus denen die Rippen des Gewölbes schirmartig herauswachsen, wie wir es auch hier vorfinden. Es könnten also Salzburger Meister gewesen sein, die in St. Jakob am Werk waren.

 

 


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