logo-verlag-st-peterMichaelerkirche Wien

Rundgang innen


(1) Drachenkapitell

(2) Triumphbogen

(3) Hochaltar mit dem Engelssturz (1781/82)

(4) Oratorien

(5) Priesterchor

(6) Vierzehn-Nothelfer-Altar

(7) Kreuzkapelle

(8) Juliusaltar

(9) Annakapelle

(10) Vesperbildkapelle

(11) Blasiuskapelle

(12) Taufkapelle

(13) Turmkapelle

(14) Gedächtnisinschrift zum Tod Maximilians I.

(15) Judas-Thaddäus-Kapelle

(16) Romanisches Portal

(17) Antoniuskapelle

(18) Pauluskapelle

(19) Alexander-Sauli-Kapelle

(20) Kreuzaltar

(21) Werdenbergkapelle

(22) Apostelaltar

(23) Orgel



Mittelschiff


Das Mauerwerk wird getragen von Pfeilern mit kreuzförmigem Grundriss, verbunden durch spitzbogige Arkaden, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennen. Die Pfeiler sind bereichert durch auf Lisenen anliegende Halbsäulen und werden vom zweiten Joch an von Viertelsäulen begleitet. Die Kapitelle weisen einen großen Reichtum an Formen auf: spätromanische mit schlinggewächsartigen Ranken (um 1225), spätromanische Kelchknospenkapitelle (um 1230) und Blätterkapitelle (um 1240). Vom Boden aufragende Dienste tragen das spitzbogige Kreuzrippengewölbe mit schönen Schlusssteinen. Die Mittelschiffgewölbe wurden nach dem Brand von 1276 erneuert. Durch die schwere Lichtgadenmauer wirkt die Kirche düster. Deshalb wurden 1828 im Hauptschiff einige Fenster herausgebrochen, um den Lichteinfall zu verstärken.

Drachenkapitell, spätromanisch, um 1220(1) Drachenkapitell (um 1220, am Kanzelpfeiler): gefiederte und geschuppte Fabeltiere, deren Schweifenden ineinander verschlungen sind – ein spätromanisches Motiv, wie es auch in den Domen zu St. Stephan und Wiener Neustadt zu finden ist.






Hauptchor mit dem Altarraum



Das erste Chorquadrat ist romanisch, wie die kleinen zugemauerten Fenster in der Wand zeigen. Um 1416 wurde der Chor nach Osten im gotischen Stil (mit großen Langfenstern) verlängert. Der letzte Gewölbe-abschnitt ist durch den Engelssturz von 1781/82 überdeckt.

(2) Triumphbogen. Die Wandmalerei ist um 1350 entstanden und zeigt das Jüngste Gericht. Dieses bedeutende Fresko wurde um 1416 bei der gotischen Chorerweiterung übermalt und erst wieder in unseren Tagen freigelegt. Christus sitzt vor dem Kreuz mit ausgebreiteten Armen. Auf den Balken des Kreuzes liegen die Marterwerkzeuge. Maria und Johannes knien, während die Apostel sitzen. Links vom Beschauer die Seligen, rechts die Verdammten.
Beim Choreingang sind spätbarocke Holzskulpturen angebracht: links der hl. Josef, rechts der hl. Johannes von Nepomuk.

Engelssturz, 1782, von Carl Merville(3) Hochaltar mit dem Engelssturz (1781/82). Durch die barocke Kommunionbank (1670) ist der Altarraum vom übrigen Chor getrennt. Nach dem Entwurf des Ingenieurs und Oberstleutnants Jean Baptiste d’Avrange (1728–1789) ist er in zwei Zonen eingeteilt: in den Hochaltar mit der Ikone Maria Candia und die Rückfläche mit dem als Hochrelief gearbeiteten Engelssturz. Der Altar bringt den Klassizismus in seiner josephinischen Form am deutlichsten zum Ausdruck. Die tumba-ähnliche Mensa mit den reichen Ornamenten ist überragt von dem Tabernakel. Die verwendeten Marmorsorten zeigen die für das ausgehende 18. Jahrhundert typischen blassen Farben. Nur der Tabernakel und die Altarverkleidung sind aus weißem Carrara-Marmor. Die Steinmetzarbeiten stammen von Stefan Gabriel Steinböck.

Das Gnadenbild Maria Candia ist eine Ikone vom Typ Maria Wegweiserin (Hodegetria), ein Werk der italo-byzantinischen Kunst um 1540. Es ist in Temperafarben auf Zypressenholz gemalt, 77 cm breit, 105 cm hoch und 2,5 cm dick. Den Rahmen fertigte der Wiener Goldschmied Joseph Moser. Die Ikone aus der Nikolauskirche zu Candia auf Kreta wurde 1672 vom Oberbefehlshaber des kaiserlichen Expeditionskorps Heinrich Ulrich von Kilmannsegg der Pfarrkirche St. Michael übergeben. Das Gnadenbild ist seit 1772 Mittelpunkt des Hochaltars. Das Gnadenbild ist seit 1772 der Mittelpunkt des Hochaltares.

Ikone Maria Candia, um 1540, am HochaltarDer Engelssturz von Carl Merville (1745–1798) stellt die Verbindung vom Wolkenhimmel zur Altarzone her. Die Vertikale der stürzenden Gestalten bildet zur ruhigen Horizontale des Altares einen wirkungsvollen Gegensatz. Der Engelssturz basiert auf Kap. 12 der Offenbarung des Johannes. Er verbindet räumlich und inhaltlich das Gnadenbild Maria Candia mit dem Erzengel Michael zu einer Einheit.
 
Der Bildhauer Philipp Jacob Prokop (1740–1814) schuf die über den Seitenportalen stehenden Statuen: links hl. Sebastian, rechts hl. Rochus; ferner zwei kleine Putti über dem Tabernakel, zwei das Gnadenbild tragende Cherubim sowie die zwei Leuchter tragenden Engel bei der Kommunionbank. Die beiderseits des Tabernakels sitzenden Evangelisten stammen von Johann Martin Fischer (1741–1820).
Alle Statuen bestehen aus Margarethener Sandstein, sind mit Stuck  überzogen und poliert. Die Bronzeornamente am Tabernakel, an der Tumba und an den Säulen sind ein Werk des Bildhauers Benedikt Henrici, der auch das vergoldete Relief mit dem Lamm Gottes am Hochaltar schuf.

(4) Oratorien sind links und rechts im Chorraum zu sehen. Unter Oratorien versteht man Gebetsräume, die ausschließlich dem Adel bei Gottesdiensten vorbehalten waren.

(5) Priesterchor (hinter dem Altar, nur mit Führung zugänglich). Er birgt als große Kostbarkeit die Metallreliefs von Carl Merville aus dem Jahr 1782.
Der Zyklus des Marienlebens beginnt schon an den Außentüren des Hochaltars: links Verkündigung und rechts die Heimsuchung.
Der Verlauf des irdischen Lebens wird im Priesterchor unter den vier Fenstern weitergeführt: Maria Geburt, Opferung im Tempel, Reinigung und Himmelfahrt. Unmittelbar hinter dem Tabernakel tragen zwei Putten das Medaillon Maria Immaculata. Darunter ist ein Kruzifix aus Lindenholz angebracht.
Rechts davon König David mit der Harfe, links der Prophet Isaias, der kündet, dass die Jungfrau einen Sohn gebären soll.
Unter dem Engelssturz befindet sich eine marmorne Gedenktafel, die Geschichte der Michaeler-kirche von den Babenbergern bis Joseph II. betreffend. An der Wand entlang steht ein spätbarockes Chorgestühl.

(6) Vierzehn-Nothelfer-Altar. Das Altarblatt (1642) stammt vom Konstanzer Maler Tobias Pock. Der 1821 in Stuck (Granitimitation) errichtete Altar gehört zu den ersten vom k. k. Hofarchitekten Johann Zobel für die Michaelerkirche im Sinne des Klassizismus entworfenen Altären. Die Bildhauerarbeiten stammen von Franz Käßmann, die Vergoldung von Mazzini.

Christus am Kreuz, in der Kreuzkapelle, um 1510/15(7) Kreuzkapelle. Sie wurde 1350 vom herzoglichen Küchenmeister Stiborius Chrezzel zu Ehren der Heiligen Nikolaus, Stefan und Katharina von Alexandrien gestiftet. Am Spitzbogen der Kapellenstirnwand dreizehn Engelmedaillons, in der Laibung Ranken. Im Bogenfeld das Haupt Christi mit Stifterfiguren und Herzpalmetten. Die Wandmalereien sind aus der Erbauungszeit. Unter Baldachinen 170 cm große bedeutende Sandsteinfiguren des Meisters von St. Michael: hl. Katharina links, hl. Nikolaus rechts, um 1350/55.
Im Gewölbe sieht man drei schöne Schlusssteine: hl. Nikolaus, Maria mit dem Kind und das Haupt Christi (Abbildung auf der Umschlagrückseite).
Das große spätgotische Kruzifix an der Chorwand um 1510/15 wird dem Wiener Bildhauer Hans Schlais zugeschrieben. Beachtenswert ist das feinsträhnige Lendentuch, das wie vom Wind bewegt mit seinen Enden ausschwingt. Auf der rechten Seite ist die gotische Priesterbank. Über der Sakristeitür Ölbild „Beweinung Christi“ um 1700, von Anthoni Schoonjans.

(8) Juliusaltar. Entwurf von Johann Zobel, 1826 in Stuck ausgeführt. Statuen vom Bildhauer Franz Käßmann, darstellend die Verherrlichung des jungen römischen Blutzeugen Julius. Die Reliquien wurden 1773 nach Aufhebung des Jesuitenordens von der Kaiserin Maria Theresia der Michaelerkirche geschenkt.
Über dem Gurtbogen zur Kreuzkapelle ist das ehemalige Hochaltarbild mit einer Darstellung des Engelssturzes angebracht, das von Michelangelo Unterberger 1751 geschaffen wurde.

(9) Annakapelle. Ein mittelalterlicher Zubau wurde 1637 von M. Antonio Carlone durch Aufführung zweier Zwischenwände in drei Kapellen unterteilt: Anna-, Vesperbild- und Blasiuskapelle. 1638 stiftete Heinrich Graf von St. Julian für sich und seine Familie ein Erbbegräbnis und ließ 1642 über dieser Gruft den Annaaltar errichten. 1695 erhielt der Altar das Ölbild „St. Anna mit ihrem Kinde Maria“. 1825 wurde der Altar neu gefasst und vergoldet. Auf der linken Seite befindet sich das Denkmal für die Landwehr-Offiziere des Ersten Weltkrieges von Otto Laserz, 1932. Im Boden sieht man die Gruftplatte der Grafen von St. Julian, 1638.

Deckenansicht in der Vesperbildkapelle, 1637/39, mit der Verklärung Jesu und den vier Kirchenvätern(10) Vesperbildkapelle. Die prachtvolle, mit Stuck versehene Kapelle wurde 1637/39 auf Betreiben des damals bedeutenden Predigers Wiens, Don Florentinus Schilling errichtet. Einen Teil der Kosten übernahm die Fürstin Margaretha von Eggenberg. Die Kammerfrau der Kaiserin Maria, Anna Segarra, stiftete die Altarschranken aus Marmor. Als Maler der Kapelle wird Ambros Petrucci genannt. 1721/22 errichtete der Bildhauer Josef Högenwald einen neuen Altar. Auf diesem die geschnitzte gotische Pietà, um 1435/45. Bei den Wandmalereien der Vesperbildkapelle sind die acht Kartuschen mit Leidenswerkzeuge tragenden Engelchen beachtenswert. Gemälde an der rechten Wand: Ölberg, darüber die Geißelung Christi. Linke Wand: Veronika reicht das Schweißtuch dar, oben die Dornenkrönung. 2005/06 erfolgte die umfangreichste Restaurierung der gesamten Kapelle.

(11) Blasiuskapelle. 1649 überließ die Kaiserinwitwe Eleonora den Barnabiten Reliquien des hl. Blasius als Leihgabe und 1654 als Schenkung. Das barocke Altarbild von Karel Skreta zeigt die „Heilung eines halskranken Knaben durch den hl. Blasius“. 1824 wurde der Altar klassizistisch verändert. Links: Denkmal der österreichischen Marine von Hans Schwathe, 1931.


(12) Taufkapelle. Sie wurde 1640 rechts an die südliche Vorhalle und den Turm angebaut und 1732 vom Kleinen Michaelerhaus überbaut. Der Taufstein aus Marmor wurde 1630 von der Nähe des Westportals in die Turmkapelle und 1646 hierher übertragen. Auf dem Altar sieht man die geschnitzte Figurengruppe der Taufe Jesu.

(13) Turmkapelle. Rechts vor dem Eingang Wandmalerei hl. Michael als Seelenwäger zwischen Maria mit dem Kind als Fürsprecherin und Satan als Ankläger, um 1350. Die Turmkapelle ist ein harmonisch abgestimmter Raum. Das eindrucksvolle Kreuzgewölbe des 13. Jahrhunderts lagert über edlen Kapitellen auf Pfeilerbündeln. 1935/36 errichtete Hans Schwathe an der Nordwand eine Lourdesgrotte mit Marienstatue aus Laaser Marmor und gegenüber das Denkmal des ermordeten Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß.
An der südlichen Wand Fresko um 1300, Apostel Thomas, begleitet von den hll. Cosmas und Damian. Rechts Wandmalerei um 1325, das Mysterium der Hl. Messe (urspr. am nordöstlichen Pfeiler). Ferner steht in der Kapelle ein schlichtes Holzkreuz von einem Massengrab aus dem Konzentrationslager Dachau für alle umgekommenen Österreicher.

(14) Gedächtnisinschrift zum Tod Maximilians I., auf der inneren Westwand, um 1520. Im linken Zwickel ist eine weibliche Figur, im rechten eine reich gekleidete männliche zu sehen. Der Einbau des Emporenbogens 1713 wurde für die neue und wesentlich größere Orgel notwendig.

(15) Judas-Thaddäus-Kapelle. Diese Kapelle befindet sich links vom Eingangsbereich. Die Evangelistensymbole im Kreuzrippengewölbe stammen aus der Zeit um 1300. Der Altar entstand 1827. Das Altarbild (1928 vom Orden der Salvatorianer in Auftrag gegeben) zeigt Judas Thaddäus – einen in Wien sehr verehrten Heiligen – als Helfer in der größten Not.

(16) Romanisches Portal, um 1245. In der Vitrine vor der Mauer befindet sich das dazugehörende Tympanon in Dreipassform. Es zeigt ein griechisches Kreuz auf einer Säule stehend, umgeben von Weinlaubranken. Reste der originalen Polychromierung sind noch gut sichtbar.

(17) Antoniuskapelle. 1630 ließ Freiherr Friedrich von Cavriani, dessen Familienwappen über dem Eingang zur Kapelle zu sehen ist, den kuppelbekrönten Raum als Grabkapelle für sich und seine Familie errichten. Im Boden befindet sich die Gruftplatte (1654) der Familie Cavriani. 1826 Umwidmung und Übertragung des barocken Antoniusbildes von Michelangelo Unterberger aus der Nachbarkapelle an die heutige Stelle. An der rechten Wand ist das Denkmal für Kaiser Karl I. († 1922), den letzten Kaiser von Österreich, von Hans Schwathe, 1928.

(18) Pauluskapelle. Diese und die anschließende Alexander-Sauli-Kapelle bilden die Barnabitenkapelle, welche heute als Friedenskapelle verwendet wird. Während der Pauluskapelle das Kreuzrippengewölbe erhalten blieb, wurde es in der Nachbarkapelle baulich verändert. Der klassizistische Altar zeigt ein Ölbild von Ludwig Schnorr von Carolsfeld, 1826, mit dem Apostelfürsten Paulus.

Barockes Deckenfresko in der Alexander-Sauli-Kapelle, um 1720(19) Alexander-Sauli-Kapelle, 1826. Das barocke Deckenfresko von Carlo Innocenzo Carlone (um 1720/21) stellt die Verherrlichung der Dreifaltigkeit durch ein Engelskonzert dar. Es ist eine Kopie des Freskos der Ludwigsburger Schlosskapelle. Der Altar ist klassizistisch, das Altarbild stammt von Ludwig Schnorr von Carolsfeld, 1826, und zeigt den 1904 heilig gesprochenen Ordensheiligen Alexander Sauli.

(20) Kreuzaltar. Der Altar wurde nach dem Entwurf von Johann Zobel 1823 im Sinne des Klassizismus erbaut; die Figuren der Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena stammen von Franz Käßmann.

(21) Werdenbergkapelle. Im Rundbogen Wandmalereien um 1350, zwei fliegende Engel tragen ein Medaillon mit Christusbüste (Pantokrator). 1627/29 ließ Graf Johann Baptist Werdenberg die Chorkapelle frühbarock umgestalten, wobei das Gewölbe neu eingebaut wurde. Der barocke Altar aus verschiedenen Marmorsorten trägt das Bild „Anbetung der Hirten“ von Franz Anton Maulbertsch (1753/55).

(22) Apostelaltar. Das Altarbild von Tobias Pock, 1642, zeigt das Pfingstwunder: Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel. Entwurf des Altars von Johann Zobel 1821, Ausführung in Stuck von Böhm, Bildhauerarbeiten von Franz Käßmann.

Barocke Orgel von Johann David Sieber, 1714(23) Orgel. Es ist Wiens größte und fast vollständig erhaltene Barockorgel: 3 Manuale und Pedal, 40 klingende Register. Erbauer der Orgel war Johann David Sieber, bürgerlicher Orgelmacher zu Brünn. Am 24. Jänner 1714 erklang das Werk in Gegenwart Kaiser Karls Vl. zum ersten Mal. 1742 baute Gottfried Sonnholz das Werk wegen der unzulänglichen Emporenkonstruktion um. Das Rückpositiv wurde dabei von der Orgelbrüstung entfernt und als Oberwerk an die beiden Hauptgehäuse angefügt. 1785 führte Franz Xaver Christoph eine große Reparatur aus.
1986/87 wurde die Orgel durch den international anerkannten Orgelbaumeister Jürgen Ahrend aus Leer in Ostfriesland in ihrem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt. Sie gilt als eines der bedeutendsten Klangdenkmäler Österreichs. Die Orgelempore wurde nach Entwurf von Antonio Beduzzi 1713 eingebaut.

Bedeutende Musiker rund um die Michaelerkirche

Rechnungsbeleg zur Seelenmesse für W. A. Mozart am 10.12. 1791 in der Michaelerkirche

Joseph Haydn (* 31. März 1732 Rohrau, † 31. Mai 1809 Wien) gilt als ein führender österreichischer Komponist der Wiener Klassik. Er lebte um 1750 im Großen Michaelerhaus als Untermieter des Chorregenten und Organisten der Michaelerkirche Johann Michael Spangler (1721–1794) und betrieb eifrige Kompositionsstudien. Es entstanden seine erste Messe in F-Dur, sein erstes Bühnenwerk, „Der krumme Teufel“ sowie die ersten Streichquartette. Im 1. Stock dieses Hauses wohnte die Fürstin Maria Oktavia Esterhazy, ohne dass Haydn damals hätte ahnen können, wie lebensbestimmend diese Fürstenfamilie für ihn noch werden sollte. In dem Haus wohnte auch der Librettist Pietro Metastasio, durch den Haydn den Kapellmeister und Gesangsmeister Nicola Antonio Porpora kennen lernte und von ihm äußerst wertvollen Unterricht in Gesang, Komposition und der italienischen Sprache erhielt.

Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Jänner 1756 Salzburg, † 5. Dezember 1791 Wien). Im Gedenkjahr 1991 (200 Jahre Mozarts Tod) wurden im Michaeler Achiv Aufzeichnungen über seine Exequien (Totenfeier) gefunden, die den Beweis erbrachten, dass die Seelenmesse für den Verstorbenen am 10. Dezember 1791 in der Michaelerkirche gehalten wurde. Bei diesem Anlass wurde das Kompositionsfragment seines Requiems uraufgeführt.

Antonio Pietro Metastasio (eigentlich Pietro Trapassi, * 3. Januar 1698 Rom, † 12. April 1782 Wien) kam 1730 nach Wien und bezog eine Wohnung im Großen Michaelerhaus am Kohlmarkt. Er avancierte zum Hofdichter von Karl VI. und Maria Theresia. Seine Dramen wurden für das Kaiserliche Hoftheater vertont und dort aufgeführt. Nach langer, schwerer Krankheit starb er 1782. Er wurde in einem Begräbnis erster Klasse in der Michaelerkirche beigesetzt, wo er bis heute liegt und in der dortigen Gruft besucht werden kann. Aufgrund der Restaurierung seines Sarges weiß man, dass Metastasio einbalsamiert wurde.