logo-verlag-st-peterMichaelerkirche Wien

ÜbersichtMichaelerkirche WienDie Salvatorianer in St. Michael
Die Salvatorianer in St. Michael

P. Dr. Theophilus Muth SDS, erster salvatorianischer Pfarrer von St. MichaelVor oder nach einer Kirchenführung fragen uns die Besucher oft: „Wird die Michaelerkirche von einer Ordensgemeinschaft geführt?“ Wir antworten dann: „Ja, seit 1923 von den Salvatorianern“ „Aha, von den Salesianern“, bekommen wir dann regelmäßig zu hören! Beide Gemeinschaften aus dem 19. Jahrhundert fangen zwar mit der gleichen Vorsilbe „Sal“ an und enden mit der gleichen Nachsilbe „ianer“, aber sie haben verschiedene Gründer und unterschiedliche Anliegen. Auf der gegenüberliegenden Seite fassen wir das Grundanliegen von Pater Jordan, des Gründers der Salvatorianer und Salvatorianerinnen, zusammen.

Die Salvatorianer in Wien – seit 1923 in St. Michael
Schon 1892 eröffneten die Salvatorianer ihre erste Niederlassung im Wiener Außenbezirk Favoriten. Drei Jahre später fing man in einem anderen Wiener Außenbezirk, in Kaisermühlen an. Die Übernahme der Michaelerkirche im Jahr 1923 durch die Salvatorianer hatte sicherlich auch mit der guten geleisteten pastoralen Tätigkeit in den Wiener Außenbezirken zu tun. Mit dem Umzug in die Innenstadt erwarteten sie nicht nur „Anerkennung“ für ihre junge Ordensgemeinschaft, sondern sie sahen auch eine Möglichkeit, sehr viel Gutes zu wirken. Durch die Übernahme der zwei Niederlassungen konnte eine eigene österreichische Provinz, eine selbstständige Verwaltungseinheit gegründet werden.

Die Aufgabe in St. Michael war nicht nur ganz neu, sie war zunächst auch äußerst chaotisch. Der Pfarrer von Kaisermühlen, Pater Theophilus Muth SDS (1870–1939) war bereit, ins Zentrum zu ziehen. Die offizielle Eröffnung des Kollegs fand am 14. 6. 1923 statt. Am 21. 6 1923 trat Pater Muth sein Amt als neuer Provinzial an. In einem Buch ging er auf die Schwierigkeiten in St. Michael ein.

Die Barnabiten hatten ihm bei den Verhandlungen in Rom zwar gesagt, dass eigentlich ganz wenige Mitbrüder erforderlich seien – aber niemand hatte von dieser „lebendigen Ruine“ eine blasse Ahnung. Einsam und verlassen stand an einem der verkehrsreichsten Plätze Wiens die Michaelerkirche, die ehedem als eine der geehrtesten und am meisten besuchten galt.
Noch trauriger sah es in dem an die Kirche anstoßenden Kloster aus, das die Barnabiten in der Kriegs- und Umsturzzeit zum großen Teil vermieten mussten, wodurch der Charakter eines Klosters vollständig verloren gegangen war. Das Pfarrgebiet wurde auf die Nachbarpfarren aufgeteilt: auf die Schottenpfarre, auf St. Peter und St. Augustin. Durch die einmalige Arbeit von Pater Dr. Theophilus Muth ging es allmählich aufwärts. Er starb am 17. Juni 1939.

St. Michael und die Salvatorianer – heute
Heutzutage steht die örtliche Kommunität in St. Michael vor anderen, aber doch auch wieder ähnlichen Herausforderungen wie früher. Sie hat auch große Chancen. Wir haben eine uralte Kirche voller Geheimnisse und ein großes Klostergebäude. Wir können Kunst, Musik, eine Gruft, verschiedene Ausstellungen und Führungen und vor allem eine intensive Liturgie anbieten.

Wir möchten die Besucher fördern, ebenso die Künstler, die Wissenschaftler, die Journalisten, die Professoren, die Politiker und unzählige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es gilt, sie wieder geistig miteinander zu vernetzen und sie an diesem Ort, mitten in der Stadt, auftanken zu lassen. Orte für Worte, Räume für Träume. Offene Kirche, eben. Nur authentisch Berufene können Andere authentisch rufen.

Wenn die Last zur Lust wird
Alles, was die Salvatorianer im Jahr 1923 von den Barnabiten übernommen haben, lastete schwer auf ihren jungen Schultern. Vor allem das große Kloster, das dem Verfall überlassen war. Es galt, die einzigartigen Schätze und Räumlichkeiten zu hüten, zu hegen und zu pflegen. Allem voran das Sommerrefektorium, mit dessen Bau 1693 begonnen worden war. Es enthält einen äußerst wertvollen Gemäldezyklus von Peter Strudel (1689–1714), dem Hofmaler dreier Kaiser. Die Gemälde müssen dringend restauriert werden. Trotzdem hat der barocke Raum mit dem stillen Klosterhof eine einmalige Atmosphäre, um Vorträge zu halten, zu musizieren und zu feiern.

Tief im Kloster sind das ehemalige Barnabitenarchiv und die Klosterbibliothek gelegen. Beide Orte sind Perlen für die wissenschaftliche Forschung der Michaelerkirche, des Klosters und der Stadtgeschichte. Das spirituelle Herzstück des Klosters ist und bleibt das Oratorium, wo Kommunität und Kaiserhof sich zum Gebet und zur Mitfeier der Liturgie versammelten. Auch heute kommt in diesem Raum die salvatorianische Kommunität täglich für ihr Gemeinschaftsgebet zusammen.


Sommerrefektorium im Kloster, 1693Ein Raum entfaltet sich erst durch die Gemeinschaft
Der Raum der Michaelerkirche kommt erst voll zur Wirkung, wenn sich hier Menschen aus allen Bezirken der Stadt Wien versammeln. Der Raum bringt die Menschen zusammen zu Gebet und Gesang, zu Predigt und Besinnung. Sie kommen, um am Sonntag, dem Tag des Herrn, dem Tag der Auferstehung, Eucharistie zu feiern. Nachdem sie die Sieber-Orgel mit ihren mächtigen Tönen begrüßt hat, werden sie vom Seelsorger in mehreren Sprachen in die Liturgie eingeführt, denn wir wissen, dass Touristen aus allen Windrichtungen anwesend sind. Ein Wort in ihrer Muttersprache als Begrüßung kann Wunder bewirken, und der Kontakt ist da. Übrigens, das Pfarrbüro sorgt dafür, dass die jeweiligen liturgischen Texte in zwölf verschiedenen Sprachen jede Woche zur Verfügung stehen. Auch das Monatsprogramm mit Angeboten und Veranstaltungen liegt auf. Seit 2006 erscheinen die „Michaeler Blätter“, die über Aktuelles, Geschichte und Termine aus Pfarre und Kloster informieren. Gute Informationen sind ein Aushängeschild für die jeweilige Kirche. So liegt in unserer Kirche salvatorianische Literatur auf und ebenso finden sich Informationen über Förderung der geistlichen Berufe. Wir sind eine Ordenspfarre und wollen diese Identität kreativ und mutig gestalten. Jeder, der darüber nachdenkt, ob Salvatorianer-Werden etwas für ihn ist, wird persönlich begleitet.

Pater Dr. Peter van Meijl, der jetzige Pfarrer der Michaelerkirche im stillen Gebet in der KreuzkapelleTäglich findet die Eucharistiefeier in der Kreuzkapelle statt: einfach und in Stille. Dabei wird im gegebenen Fall für die Verstorbenen im kleinen Familienkreis gebetet und es kann auf spezielle Anliegen besser eingegangen werden. Nach der Seelenmesse wird auch ein Kreuzchen für das verstorbene Pfarrmitglied in die Friedenskapelle (früher Barnabiten-kapelle) getragen. Dort kann jeder während des ganzen Tages kommen um zu verweilen, zu beten, zu lesen, Musik zu hören. Das Christusbild auf der Rückseite dieses Kirchenführers stammt aus dieser Kreuzkapelle. Als Schlussstein hält Christus das ganze Gerüst und Gerippe des Gebäudes – seiner Kirche – zusammen. Christus führt und hält die Menschen zusammen.

Die Tatsache, dass unsere Kirche fünfzehn Stunden pro Tag, sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr für alle spirituellen Nomaden unserer Stadt eine Art pastorales Refugium geworden ist, möge zeigen, wie konkret und mutig wir die Bedeutung der Michaelerkirche stadt-katechetisch übersetzt haben. Wenn Bäcker, Banken und Büros ihr Geschäft schließen, bleibt die Michaelerkirche bewusst offen.





Pater Jordan, vor seiner Abreise in die  Schweiz, 1915Pater Jordan – Gründer der Salvatorianer

Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan (mit dem Taufnamen Johann Baptist) wurde im Jahr 1848 in dem kleinen badischen Dorf Gurtweil an der Schweizer Grenze geboren. Sein Bischof weihte ihn nach dem Studium in Freiburg i. Br. 1878 zum Priester. Weiteres Sprachstudium in Rom und ein Aufenthalt im Heiligen Land bestärkten Jordans Berufung: mit allen Mitteln, welche die Liebe Christi eingibt, und mit allen Menschen gleich welchen Standes mitwirken, dass die Botschaft Jesu verkündet wird. Am Anfang nannte Pater Jordan seine Gemeinschaft bezeichnenderweise Apostolische Lehrgesellschaft. Nach einigen Jahren kam der lehrende Heiland (auf lateinisch Salvator docens) in den Prägestempel dieser jungen Ordensgemeinschaft. Die konkrete Aufgabe hieß nun: verkündigen und lehren, dass in Jesus, dem Heiland der Welt, das endgültige Heil zu finden ist.