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ÜbersichtMaria KirchentalWallfahrtsmuseum
Hausaltar und die drei großen Vitrinen im unteren Raum des Wallfahrtsmuseums


Wallfahrtsmuseum

ÄhrenmonstranzNach dem Abschluss der Renovierungsfeierlichkeiten am 8. September 2001 konnte auch das Wallfahrtsmuseum am 7. September 2004 neu eröffnet werden. Es hat seine Heimstatt in den nördlichen Nebenräumen des Kirchenschiffes gefunden. Das zentrale Stück ist der im Stil der Pinzgauer Baldachinaltäre geschaffene Hausaltar mit dem Altarbild der Anbetung der Weisen, die von altersher als das Urbild der Wallfahrer galten. In den drei großen Vitrinen sind nun die Kostbarkeiten der Wallfahrtsgeschichte ausgebreitet. In erster Linie sind es die wertvollen kultischen Gefäße und Geräte, die zumeist von adeligen Wallfahrern gespendet wurden. Die große eucharistische Monstranz des Augsburger Meisters Ludwig Schneider (um 1735) ist ebenso wie die Messkännchengarnitur des Salzburger Silberschmieds J. G. Gebisch (um 1700) erwähnenswert. Auch das Votivbild des Mondseer Tischlers Joseph Dölzer (um 1770) ist wegen seiner seltenen Eglomisétechnik (Art der Hinterglasmalerei, nach dem Pariser Kunsthändler J. B. Glomy, Ende des 18. Jahrhunderts) interessant. Für die Wallfahrtsgeschichte von unersetzlicher Bedeutung ist die Ährenmonstranz. Im Winter sollen drei Ähren aus dem Schnee hervorgesprießt sein, was man als Wunsch der Gottesmutter deutete, die Kirche hier zu errichten.

Von größter Seltenheit ist das Paar Kandelaber aus Karbonatgestein, das vermutlich in Italien am Anfang des 18. Jahrhunderts gefertigt wurde. Unter den Votivgaben ragen kostbare Rosenkränze heraus. Ihre Materialien (Koralle, Gagat, Steinbockhorn, Bernstein und Bergkristall) sind ebenso selten wie die vermutlich in Venedig gefertigten Rosenkränze aus Posamentrie (Posamenten sind Besatzwaren, z. B. Bänder, Borten usw.). Unter den Votivbildern sei jenes von 1768 erwähnt, weil die dargestellte Votiv¬lunge auch geschnitzt im Original vorhanden ist. Die silbernen Votivgaben bestehen vor allem aus der Nachbildung der geheilten Körperteile (Augen, Brust, Hände und Gebärmutter). Da Erzbischof Johann Ernst bei der Kirchweihe schon erblindet war, musste sein Vetter Joseph Rudolf Graf Thun, der Bischof von Seckau war, die Weihe vornehmen. Noch einige Jahre vorher hatte man versucht, durch einen in großen Lettern hergestellten Druck eines zehnbändigen bischöflichen Messbuches dem seh¬schwa¬chen Fürsten die Funktionen weiterhin zu ermöglichen. Von den Medaillen seien erwähnt: Der 1732 von dem Tittmoninger Goldschmied Wolfgang Lackner gegossene Tauftaler für Franz Joseph Wagner sowie eine Silbermedaille, die in Wien 1850 von Johann Weiss gegossen wurde. Diese wurde von dem „Verein gegen Misshandlung der Thiere im Österr. O. D. Ens und Salzburg“ verliehen.

Kandelaber aus Karbonatgestein (links); Votivbild vom Tischler Joseph Dölzer um 1770 (Mitte); Votivbild von 1768, das geheilte Organ(Lunge) wird auch in geschnitzter Form dargestellt

Die Mirakelbücher (Beschreibung der hier geschehenen wunderbaren Heilungen) sind von 1731 bis 1752 in mehrfachen Auflagen zu sehen. An der Nordseite sind in einem zweiflügeligen Schrank barocke Krippenfiguren aufgestellt, daneben in flachen Schubladen die für Kirchental hergestellten Votivbilder, die zumeist am Gnadenbild berührt zum Andenken an die Wallfahrt mit nach Hause genommen wurden. Über eine schmale Wendeltreppe gelangt man nun in den oberen Raum. Dieser ist seit der Restaurierung der Sammlung von 730 Votivbildern vorbehalten. Mit etwa 1200 solchen Zeichen gläubiger Dankbarkeit ist dies die größte Sammlung, die es in Österreich gibt. Durch eine fachgerechte, sehr aufwändige Restaurierung konnte dieser Bestand nun gesichert und auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Die in vielfacher Hinsicht kulturgeschichtlich aber ebenso medizin- und ortsgeschichtlich interessanten Zeugnisse der Volksfrömmigkeit ab 1690 sind hier zu bewundern. Auch die hinter dem Hochaltar und an den Kirchenwänden angebrachten Votivbilder gehören in diesen Zusammenhang.

Tauftaler von Goldschmied Wolfgang Lackner (links); Silbermedaille, gegossen 1850 von Johann Weiss (rschts)


Prälat Dr. Johannes Neuhardt

 
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