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ÜbersichtMaria KirchentalFührung durch die Kirche
Blick zum Hochaltar

Führung durch die Kirche

Blick in den InnenraumHochaltar
Am 15. September 1702 ist anlässlich der Generalvisitation in Kirchental festgehalten, dass drei feststehende und geweihte Altäre zu Ehren der Jungfrau Mariens, der hll. Joachim und Anna und der hl. Elisabeth bestehen. Den ursprünglichen Choraltar von 1701 und die Piazzetta in Venedig zeigt ein 1742 datiertes Votivbild, das im Chor rechts neben dem Hochaltar zu sehen ist. Demzufolge stand das von zwei Engeln umrahmte wundertätige Marienbild in einem Schrein über dem Tabernakel. Es war, dem Kirchenjahr folgend, mit prunkvollen barocken Gewändern bekleidet. 1744–1746 bereicherte Johann Andrä Eysl aus Neumarkt den Choraltar durch die Dreifaltig¬keitsgruppe und die Marien¬krönung. 1857 erfolgte ein Altarneubau unter Verwendung älterer Teile (Gnadenbild und flankierende Palmen, die 1958/60 entfernt wurden). Das Kirchentaler Gnadenbild bildet das Zentrum des neubarocken Hochaltaraufbaus von 1858. Diese seit Jahrhunderten verehrte spätgotische Marienstatue wird allgemein in das frühe 15. Jahrhundert datiert. Die marmorne, sarkophagförmige Mensa, geschaffen 1766 vom Steinmetzmeister JOHANN HÖGLER in Salzburg, diente als Basis für den Aufbau von Tischlermeister Stainer. Über dem Altartisch und einer niedrigen Predellazone erhebt sich ein triumphpfortennartiger geöffneter Altaraufbau mit dem Gnadenbild vor dem vergoldeten doppelten Strahlenkranz. Große Engel umgeben das zentrale, auf einer Wolke ruhende Kultbild. Hell marmorierte Säulenpaare mit vergoldeten Kapitellen tragen das Gesims; über einer mit Rosetten applizierten Archivolte überbrückt der baldachinartige Aufsatz in breitem Halbkreisbogen die Säulen. Der Salzburger Bildhauer JOHANN SCHEIDL fertigte 1858 die im hohen Giebelfeld angebrachte Dreifaltigkeitsgruppe. Als Bekrönung findet sich ein Strahlenkreuz über dem durchbrochenen Rankenwerk. 1960 wurden die zwei barocken Holzskulpturen der hll. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist aus dem 18. Jahrhundert angebracht.

Linker Seitenaltar mit dem Bild „Anna und Joachim mit Maria“Bei den Wallfahrern hat sich der Brauch erhalten, einen Rundgang um den Choraltar und das Gnadenbild zu machen. Sieht man links im Chor die monumentale Kreuzigung und die schmerzhafte Mutter¬gottes – ein fulminantes Werk barocker Schnitzkunst, das von einem unbekannten Künstler stammt und um 1720 datiert wird – ist der andächtige Pilger hinter dem Hochaltar von der Statue „Unser Herr im Elend“ überrascht. Es ist der unmittelbare und direkte Anblick in das Antlitz und auf den geschundenen Körper des Heilands, der das Moment des Mitleides anspricht. Unter der Kreuzigungsgruppe bzw. vis-à-vis sind vor den seitlichen Gehtüren zwei barocke Opferstöcke aufgestellt. Einen Teil der restaurierten Votivbilder findet man heute wieder in der Wallfahrtskirche beziehungsweise in der Votivgabenkapelle. Diese meist auf Leinwand, Holz und Metall angefertigten Gemälde sind nicht nur kulturhistorisch interessant, sondern stellen auch einen wesentlichen Faktor der Lebendigkeit und des Ambientes des Innenraumes dar.

Links neben dem Altar das berühmte Schlachtenbild um den Bodenbühel bei Schneizlreuth, darüber eine Votivtafel, die den Stadtbrand von Zell am See am 18. August 1720 darstellt. Weiter rechts hängt das bereits erwähnte Votivbild von 1742 mit einer historischen Ansicht des Choraltares.



Das Gnadenbild als ZentrumDer Volksaltar


Der Entwurf stammt von Architekt PETER SCHUH. Das Material des Altares sollte dem imposanten Hochaltar und den Seitenaltären keine Konkurrenz machen. Weiters war die Notwendigkeit einer preziösen Erscheinungsform gegeben. Für den gläubigen Betrachter legt sich der Gedanke an eine religiöse Interpretation nahe: Den kunstvoll gebauten Hochaltar krönt das Kreuz mit einem darunterliegenden Bildnis der Hl. Dreifaltigkeit. Von dort und nur vom dreifaltigen Gott gehen die Gnadenströme aus, die den Menschen zufließen. Zwischen dieser Quelle aller Gnaden und den dürstenden Menschen hat Maria, die Gnadenvolle, ihren Platz auf dem Hochaltar. Was hier bildlich dargestellt ist, entspricht dem Inhalt des Glaubens, wie er seit Anfang des Christentums von der Kirche gelehrt wird: Die Mutter des Gottessohnes steht zwischen Gott und den Menschen und es ist ihre größte Freude, uns die Gnaden zu vermitteln, die wir auf ihre Fürsprache von Gott erbitten. Die metallenen Stäbe, die den Tisch des Brotes (Volksaltar) und den Tisch des Wortes (Ambo) tragen, leuchten wie silberglänzendes sprudelndes Wasser, das niederströmt.
Rektor Mag. P. Karl Unger MSC


Rechter SeitenaltarSeitenaltäre


1701 erfolgte die Konsekration der Altäre. Die monumentale Umrahmung dieser zwei an den Stirnseiten der Querarme situierten Altäre wurde aus rotem Adneter Marmor gearbeitet, die applizierten Fruchtgehänge aus weißem Untersberger Knollenkalkstein. In der Mitte sind großformatige Leinwandgemälde eingesetzt. Die sarkophagförmigen Mensen und Steinumrahmungen sind 1765, also mehr als fünfzig Jahre nach der Einweihung errichtet worden. Zwischen den geschwungenen, gesprengten Giebeln finden sich die Wappen der Altarspender: rechts Maximilian Graf von Thun und seine Gattin Maria Franziska Gräfin Lodron, seine zweite Gattin Maria Magdalena Prinzessin Liechtenstein und Maria Adelheid Gräfin Preysing; links Johann Franz Josef Graf von Thun und seine Gemahlin Maria Philippine Gräfin Harrach. Vier hohe aus Silberblech getriebene Reliquientafeln aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schmücken die Altartische.

Das linke Seitenaltarbild ist mit „Jac: Zanusi Pinsse Salisb: 1719“ signiert und datiert. Es zählt zu den größten und besten Werken von JAKOB ZANUSI, dem Hofmaler der Salzburger Erzbischöfe Harrach und Firmian. Auf einem Podest sitzt Anna mit Maria auf dem Schoß. Joachim beugt sich zu Maria hin. Im oberen Bildfeld sind Gottvater eine Krone in den Händen haltend, die Weltkugel mit der Heilig-Geist-Taube und geflügelte Engel dargestellt. Nach der Kirchweihe 1701 stiftete Maximilian Graf Thun (1638–1701) den rechten Altar. Auf dem ursprünglichen Sei¬tenaltarbild war ebenso das Thema der Heimsuchung Mariä dargestellt. Das heutige Leinwand¬bild stammt von einem anonymen Maler um 1800. Es zeigt den Besuch Marias und Josephs bei Elisabeth und Zacharias. Die Säulenhalle und der Blick auf eine südliche Landschaft, also Sujet, Komposition und Malweise des Bildes tragen klassizistische Züge, was für eine Ent¬stehungs¬zeit zwischen 1790 bis 1810 spricht.

Neben dem rechten Seitenaltar ist die von „X[andi] Schläffer 1978“ bezeichnete Pinzgauer Krippe aufgestellt. Die durch die detailgetreue Ausführung viel beachtete Arbeit gilt als meisterliche Leistung der heimischen Krippenbaukunst. Die Anbetung des Christuskindes im Stall wird in die lokale Landschaft und in das bäuerliche Milieu übertragen.

Votivbild von 1747Sonstige Einrichtung


1706 fertigte der Tischler Palier aus Kitzbühel die Kanzel. Die vier Felder des achteckigen Kanzelkorbes sind mit Ecksäulen und rundbogenförmigen Nischen mit Evangelistenstatuetten ausgeführt. Den Schalldeckel bekrönt ein Engel auf Wolken mit den Gesetzestafeln in einem Strahlenkranz. Die am Gesims sitzenden Barockengel halten die Symbole der Marienlitanei in Händen: Morgenstern, Rose, Spiegel der Gerechtigkeit, geistliches Gefäß. Die gefassten Holzskulpturen stammen vom Mittersiller Bildhauer GEORG MAYR.

Links gegenüber der Kanzel steht eine barocke Konsolfigur des hl. Johannes von Nepomuk, der nach seiner Heiligsprechung im Jahr 1729 als Wahrer des Beichtgeheimnisses eine starke Verehrung erfuhr (die fünf Sterne stehen für das lateinische Wort „tacui“, „ich habe geschwiegen“). Beachtung verdienen auch die Wangen des Kirchengestühls mit den baro¬cken, aus Lindenholz gefertigten Akanthus-Schnitzereien. Das Gestühl hat der Loferer Tischlermeister THOMAS GRIENWALD im Jahr 1700 geliefert.

Am Beginn des 18. Jahrhunderts stand ein Regal – eine tragbare Kleinorgel – in Verwendung. Der Salzburger Hoforgelmacher JOHANN CHRISTOPH EGEDACHER lieferte 1717 die erste Orgel. 1858 baute MATTHÄUS MAURACHER unter Wiederverwendung einiger Bestandteile der alten Orgel ein neues Instrument, das 1892 von Albert Mauracher verbessert wurde. Die Salzburger Orgelkommission attestiert nach der 2002 erfolgten Res¬taurierung, dass „in beeindruckender Weise sich in der Orgel von Maria Kirchental die feine Farbigkeit des Barock (Egedacher-Register) und die

Ergänzungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die dem Instrument Tiefe, Kraft und romantisches Kolorit hinzufügen (Matthäus Mauracher), zu einer Einheit verbindet“. Im Eingangsbereich unter der Empore rechts über dem Portal zur Priestergedächtniskapelle sieht man eine historische Darstellung des Brandes von Kufstein. Über dem gegenüberliegenden Portal ein Votivbild von 1747, mit dem sich Kitzbühel nach Maria Kirchental verlobte. Dieses Bild mit der Dankesprozession für die Abwendung der Kriegsgefahr von 1703 wird dem bekannten Tiroler Maler SIMON BENEDIKT FAISTENBERGER zugeschrieben. Bemerkenswert der Rahmen mit den sechs Blechfähnchen – Viertelteilungen des Landgerichts Kitzbühel.


Hofrat Dr. Ronald Gobiet


 
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