logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Lend-Embach mit Maria Elend

Zur Geschichte von Kirche und Pfarre

Zusammen mit Pfarrhof, ehemaligem Wirtschaftsgebäude und Aufbahrungskapelle sowie dem sie umgebenden Friedhof bildet die Kirche ein malerisches Ensemble

Wo im Mittelalter von der Straße durch das Salzachtal der Saumweg über das Rauriser Tal nach Süden abzweigte, entstand vor gut 1000 Jahren das Dorf Embach. Hier wurden die Waren umgeladen, die Saumpferde versorgt und Vorspannpferde für den steilen Anstieg aus dem Salzachtal gehalten. Daran erinnerte noch bis ins 20. Jahrhundert der Embacher „Rösslmarkt“ am Fest des Kirchenpatrones Laurentius. Wohl bereits im 11. Jahrhundert wurde in Embach die erste romanische Kirche gebaut (Grabungen des Salzburg Museum und der Salzburger Landesarchäologie, Leitung: Eva Maria Feldinger). Sie gehörte zur Mutterpfarre Taxenbach. Von dort aus gesehen liegt der Ort „ent-Bach“, also jenseits des Baches (Salzach). Dies ist die wahrscheinlichste Deutung des Namens Embach, der 1170 erstmals genannt wird. Mit dem Aufschwung des Handels und der wachsenden Bergbautätigkeit im Rauriser Tal kam es im 14. Jahrhundert zu einem gotischen Neubau der Kirche. Sie wird 1344 erstmals genannt und hatte bereits eine Länge von 20 m. Um 1500 kam der Goldbergbau zur Hochblüte. Dies führte zu einem weiteren Anwachsen des Ortes und zur Vergrößerung der Kirche. Sie wurde der Überlieferung nach 1508 von Erzbischof Leonhard von Keutschach geweiht. Einige Kunstwerke aus dieser Zeit sind im Dommuseum in Salzburg ausgestellt.

Embach 1780: die spätgotische Kirche mit nordseitigem Eingangsbereich, noch ohne klassizistische Fassade, sowie das erste, im Obergeschoß gezimmerte Vikarhaus auf einer Votivtafel von Maria Elend

1552 baute Ursula Penningerin die erste Kapelle in Maria Elend mit der Stiftung einer wöchentlichen Messe. Wohl deswegen bekam Embach 1558 den ersten ständig hier wohnenden Vikar (Seelsorger), der auch für Eschenau zuständig war. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wuchs die Wallfahrt nach Maria Elend zu einer der bedeutendsten im Salzburger Land an, sodass man daran ging, eine Wallfahrtskirche zu bauen, die mehrmals erweitert wurde. In diese Zeit (1731/32) fiel auch die große Protestantenvertreibung in Salzburg. 145 Menschen verließen Embach – fast ein Viertel der Bevölkerung. Erstaunlicherweise findet dieses einschneidende Ereignis nur wenig Niederschlag im Schrifttum und im Volksgedächtnis. Lebendig ist hingegen die Erinnerung an den Befehl von Erzbischof Hieronymus Colloredo, die Kirche in Maria Elend abzureißen und stattdessen die Pfarrkirche zur Wallfahrtskirche auszubauen. Dies führte zur nochmaligen Vergrößerung und klassizistischen Umgestaltung der Embacher Kirche (1784–1786). Sie birgt seither auch das ursprüngliche Gnadenbild von Maria Elend. Das Vikariatshaus (Pfarrhof) wurde ebenfalls ausgebaut, um Mess- und Beichtpriester für die Wallfahrer beherbergen zu können. Die Bedeutung Embachs als Wallfahrtsort führte bereits 1813 zur Pfarrerhebung. Trotz des Neubaus einer Wallfahrtskapelle in Maria Elend im Jahr 1842 sowie der großartigen Innenrenovierung der Kirche und Erweiterung des Pfarrhofes anfangs des 20. Jahrhunderts konnte Embach jedoch nicht mehr an die alte Größe anschließen. Heute stellt die Wallfahrtskapelle Maria Elend mit dem Augenbründl ein beliebtes regionales Wallfahrtsziel dar, das von Einheimischen und Gästen gern besucht wird. Einen neuen Akzent bekam der Ort durch die Errichtung des „Geistlichen Zentrums Embach“ im Jahr 2010. Embach bildet politisch eine Gemeinde mit Lend, kirchlich steht es im Pfarrverband mit Lend und Dienten.

Der Kirchbühel
Der steile Embacher Kirchbühel macht bewusst, dass man zu einem besonderen Ort hinaufsteigt. Seit 1000 Jahren wird er von Menschen als Ort der Kraft erlebt. Der etwas enge, geradezu intime Kirchplatz lässt erahnen, dass sowohl Kirche wie Pfarrhof im Laufe der Zeit vergrößert wurden. Der Pfarrhof stammt im Kern aus den Jahren 1718–1720. Durch einen großzügigen Aus- und Umbau im Jahr 1914 bekam er seine heutige Gestalt. Der Firstbaum des ehemaligen Stallgebäudes zeigt die Jahreszahl seiner Erbauung: 1788/89. Beide Gebäude haben heute als „Geistliches Zentrum Embach“ eine neue Bedeutung bekommen. Der Raum der Stille im ehemaligen Stallgebäude ist frei zugänglich und bildet in seiner modernen Gestaltung (Tom Lechner, Walter Scherübl, 2010) einen interessanten Kontrast zu den umliegenden Sakralbauten. Zum Friedhof hin schließen sich Kriegerdenkmal und Aufbahrungskapelle an (erbaut 1990). Ein idyllischer Landfriedhof umgibt, nach alter Tradition, die Kirche. Auf ihm befindet sich das Grab des ehemaligen Landeshauptmannes Dr. Hans Katschthaler.

 

 

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