logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Kitzbühel

Orientierungsplan1 Hochaltar von Benedikt Faistenberger und Veit Rabl, Altarbild von Johann Peter Spillenberger
2 Deckenfresko „Anbetung des Altarsakraments“
3 Gotische Wandfresken
4 Rokoko-Chorgestühl, darüber Choremporen
5–7 Deckenfresken im Langhaus
8 Altar der hl. Sippe
9 Marienaltar (Altar der Rosenkranzbruderschaft)
10 Knappenaltar (Johannesaltar)
11 Antoniusaltar
12 Kanzel
13 Statue hl. Johannes Nepomuk
14 Statue hl. Sebastian
15 Statue hl. Rochus
16 Statue Ecce homo
17 Statue Schmerzhafte Muttergottes
18 Grabdenkmal Fam. Kupferschmid
19 Kruzifix
20 Westempore mit Rosenkranzbildern
21 Orgel
22 Taufkapelle (ehem. Münichauer- bzw. Rosakapelle)
23 Gotische Sakristei
24 Ölbild „Huldigung der Heiligen Drei Könige“


Blick in den Innenraum der KircheEin Rundgang durch die Kirche

Im Gegensatz zum schmucklosen Äußeren der Kirche steht ihr lichtdurchfluteter Hallenraum mit seiner vielgestaltigen Ausstattung. Er ist ein Meisterwerk des „Werkmeisters“ STEPHAN KRUMENAUER, der zu den begabtesten Baumeistern Bayerns und Salzburgs zählte. Nach  Hans von Burghausens Plänen vollendete er den Chorraum der Pfarrkirche von Salzburg (jetzt Franziskanerkirche) und errichtete mit eigener Planung die Pfarrkirche von Braunau, während deren Bauführung er 1435 den Neubau der Kitzbüheler Kirche übernahm. Dieser sollte mehr als  die doppelte Dimension  des Vorgängerbaues erhalten, wobei dessen Turm und Chorraum erhalten blieben. Der bestehende gotische Chorabschluss mit Diensten aus Tuffstein und  vier hohen spitzbogigen Fenstern wurde in der Verlängerung der romanischen Längsmauern um 1360 errichtet.

Die Trennfuge zwischen Romanik und Gotik ist an der Außenseite des Chores ersichtlich. Beide Mauern wurden in den Kirchenneubau einbezogen, wie es die ältesten Fresken im Chorraum beweisen (Verkündigung, hl. Georg, Engel der Lavabonische und hl. Katharina, um 1360). Die Begrenzung zum Hallenraum bildet ein im Bogenabschnitt mehrfach tief gekehlter Triumphbogen von beeindruckender Breite und Höhe, der im Scheitel bis zum Gewölbe reicht. Die Decke des Kirchenraumes, die ursprünglich durch Gewölberippen gegliedert war, wird nur von vier Pfeilern und je zwei Halbpfeilern an Vorder- und Hinterwand getragen. Die Übereckstellung der mit Runddiensten versehenen Pfeiler lässt sie noch schlanker und leichter erscheinen. Die fünf mit Putzenscheiben verglasten großen, spitzbogigen Fenster bewirken die Lichtfülle des Kirchenraumes. Diese muss im Jahr der Fertigstellung nach langer Bauzeit (1435 bis 1506) noch beeindruckender gewesen sein, da die Empore an der Westwand nicht bestand und daher der Blick zur Decke um ein weiteres Drittel freigegeben war, und außerdem ein später vermauertes Rundbogenfenster an der Westwand einen zusätzlichen Lichteinfall ermöglichte. Die Lichtfülle der Halle und die geringe Zahl von Pfeilern lassen den Eindruck von Kirchenschiffen kaum aufkommen. Im Jahr des Bauabschlusses 1506 war diese Kirche die größte Raumschöpfung zwischen Schwaz und Salzburg.

Die Kirche wurde bei der Gesamtrestaurierung (Leitung Arch. P. Schuh) 1989 wieder verputzt, so dass der von ANDRÄ HUEBER (Barockisierung des Inneren 1785/86) angestrebte Raumeindruck nun vollendet ist.

Deckengemälde im Langhaus, Kreuzigung des hl. AndreasDer Einfluss des Dominikanerordens auf die Kunstwerke
Die Barockisierung des gotischen Kirchenraumes erfolgte während der Seelsorgstätigkeit der Dominikaner (1640–1784) in mehreren Phasen und erfasste alle baulichen und künstlerischen Elemente der Kirche, ja sogar der Turmabschluss erhielt 1712 mit der Wälschen Haube, der Turmlaterne und Turmzwiebel die barocken Formen. Alle Altäre mit Plastiken und Bildern, mehrere Wand- und Deckenfresken, das Gewölbe im Chorraum und in der Halle, die Taufkapelle und die neuen Bauteile wie Seitenemporen, Westempore, Orgel, Chorgestühl und Beichtstühle künden die barocke Formensprache. Die Dominikaner bevorzugten gleich elfmal in der Wahl der Bildthemen die Heiligen aus ihrem Orden.

Die hl. Rosa von Lima ist dreimal das Bildthema. Ein Vorsatzbild zeigt den hl. Raimund und das Kanzelbild den Ordensgründer hl. Dominikus. Die heutige Taufkapelle, ehemals als Grablege des Hans von Münichau gestiftet und an den Chorraum angebaut (um 1450), wurde zur Rosakapelle umgestaltet und mit Ölbild und Deckenfresko der hl. Rosa von Lima geschmückt, während drei weitere Ordensheilige in Ölbildern an der kleinen Empore der Kapelle gewürdigt werden. Der Ordensgründer und die hl. Katharina von Siena schmücken als Aufsatzfiguren den Hochaltar. Die Bildfolgen aller Rosenkranzgeheimnisse an der rückwärtigen Empore sind in dieser Qualität und Größe selten zu finden und wurden ebenfalls vom Orden vorgegeben, dem die Verbreitung dieses Gebetes ein besonderes Anliegen war. Hier stellt das abschließende Bild einen Dominikaner dar.

Hochaltar von Benedikt Faistenberger und Volksaltar von Franz Öfner (Innsbruck, 1968)Die Stuckaturen am Gewölbeansatz fertigte B. RICHTER aus Kufstein. Die Wand- und Deckenbilder der Nazarener JOSEF GOLD (1896) und JOHANN KÜHBERGER (1897) im Langhaus stellen Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons (Berufung des Apostels Andreas, Verurteilung und Annahme des Kreuzes) dar. In den Gewölbezwickeln finden wir die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter, über den Seitenaltären den Verlorenen Sohn sowie den Guten Hirten.

Nur im Altarraum durften das 1786 von MATTHIAS KIRCHNER geschaffene Deckenfresko „Verherrlichung des Altarsakraments“ und die Wandgemälde (Nordwand: Mannaregen, Südwand: Eherne Schlange) bleiben. Die ältesten Bilder der Kirche sind die gotischen Fresken im Chorraum, an der Nordwand hl. Georg und Verkündigung und an der Südwand Lavabo-Nische mit Engeln und hl. Katharina. Sie stammen aus der Zeit des Chorneubaues (um 1360) und beweisen die Einbeziehung und Verlängerung der romanischen Nordwand. Den einstigen gotischen Flügelaltar umstanden die getreuen Zeugen des Herrn, seine Apostel. Acht dieser ausdrucksstarken, selbstmächtigen gotischen Wandfresken (um 1480) konnten wieder freigelegt werden. Alle tragen ein Schriftband, auf dem ein Satz des Glaubensbekenntnisses geschrieben steht. Die in der Rosakapelle stehende Madonna (um 1460) nach der Art der „Schönen Madonnen“ könnte die Mittelfigur eines Flügelaltares gewesen sein. Von der Barockausstattung sei vor allem der prachtvolle Hochaltar erwähnt, den BENEDIKT FAISTENBERGER zusammen mit seinem Schwager VEIT RABL (Fassmaler) vollendet hat.  Die Aufsatzfiguren stellen die hll. Dominikus und Katharina von Siena dar. Der kaiserliche Hofmaler JOHANN PETER SPILLENBERGER zeigt sich im Altarblatt (Madonna mit Andreas und Jakobus) als vorzüglicher Tintorettoschüler. Das ovale Oberbild, Gottvater und Heiliger Geist über den Wolken schwebend, stammt vom gleichen Meister. Den krönenden Abschluss bildet das Christusmonogramm im Strahlenkranz, flankiert von zwei Engeln.

Die ungewöhnliche Höhe des Altares liegt in der Wahrung der Proportion zur Höhe der Fenster und des Raumes. Der breit ausladende Tabernakel kommt aus der Werkstatt JOSEF MARTIN LENGAUERS (um 1770). Die kleinen Bilder der Seitenemporen stammen von VEIT RABL (1664). Sie stellen links das Isaakopfer, die Jakobsleiter, den Mannaregen und die Eherne Schlange und rechts die Hochzeit von Kana, Jesus und die Samariterin, die Brotvermehrung und das Emmausmahl dar.
Das Orgelgehäuse und sein Prospekt sind ein Gemeinschaftswerk von BENEDIKT FAISTENBERGER und VEIT RABL (1668). Die musizierenden Engel wurden von JOSEF MARTIN LENGAUER ergänzt (1784). Die neue Orgel (26 Register) für das barocke Gehäuse lieferte 1979 die Firma Reinisch-Pirchner (Steinach am Brenner). Nach Plänen von Arch. E. Hörmann(Innsbruck) konnte 1984/85 die Orgelempore samt Eingangsbereich neu gestaltet werden. An der Orgelempore sind die 1664 von Veit Rabl gemalten 15 Rosenkranzgeheimnisse angebracht. Die mächtigen Figuren des „Ecce homo“ sowie der „Schmerzensmutter“ hat FRANZ OFFER (Kitzbühel) um 1740 geschnitzt. Sie stammen von der Ölbergkapelle am Friedhof, zu derem gotischen Bildprogramm sie eine barocke Ergänzung darstellten. 


Altar der hl. SippeVon den vier Seitenaltären gehören die beiden äußeren noch dem 17. Jahrhundert an: der rechte Antoniusaltar mit dem Bild (hl. Antonius) und Oberbild (Maria mit Jesuskind) von VEIT RABL (1671) und den Aufsatzfiguren der hll. Ursula und Oswald, der linke Altar mit dem Altarblatt der hl. Sippe und dem Oberbild (Anbetung der Hll. Drei Könige) vom gleichen Meister (1688) und den Plastiken der hll. Johannes Bapt. und Katharina von GEORG FAISTENBERGER (?). Das Vorsatzbild der hl. Rosa von Lima wird MATTHIAS KIRCHNER zugeschrieben, dem Freskanten des Chorraumes. Der gelockerte Aufbau der beiden inneren Altäre schmiegt sich gelöst an die Halbsäule an.

Die Figuren Maria, Franziskus und Karl Borromäus des linken Marienaltares (Altar der Rosenkranzbruderschaft) sind Werke des heimischen Bildhauers HANS MÄRZ vom Vorläuferaltar (um 1630), die Aufsatzfiguren sind die hll. Georg, Wolfgang und Florian. Sein Gegenstück, der Knappenaltar, bringt in völliger Wahrung der Symmetrie die gut geschnittenen Hauptfiguren: Apostel Johannes, Daniel und Sebastian, letztere stilistisch für GEORG FAISTENBERGER gesichert, während beide Altaraufbauten sein Mitarbeiter FRANZ LÄNNER hier um 1710 anfertigte. Die hll. Josef, Barbara und Magdalena sind die Aufsatzfiguren des Knappenaltares.

Die von LUKAS SIX (Hopfgarten) 1646 geschaffene Kanzel wurde 1990 wieder an den vorderen Südpfeiler versetzt. Dabei wurde das Ölbild des hl. Dominikus von VEIT RABL mit seiner Rahmung in barocker Scheinmalerei wieder angebracht. Die Evangelistenfiguren auf dem Kanzelkorb sowie die Statue des hl. Paulus auf dem Schalldeckel stammen von JOSEF MARTIN LENGAUER (1784). Die drei Statuen an den Pfeilern (Sebastian, Rochus und Johannes Nepomuk) sind in der WERKSTATT FRANZ OFFERS (um 1765) entstanden.
Die vier hervorragenden Beichtstühle sowie die Wangen des Kirchengestühls schnitzte JOSEF MARTIN LENGAUER (1757/60). Das meisterhafte Rokoko-Chorgestühl lieferte 1760 FRANZ OFFER D. J. 
Der Münichauer Kapelle, die heute als Taufkapelle dient, gaben die Dominikaner die hl. Rosa von Lima als neue Patronin und ließen den Raum zu einer intimen Andachtsstätte umgestalten (Rocaillestuck von KASSIAN SINGER und Deckenfresko „Glorie der hl. Rosa“ von  SIMON BENEDIKT FAISTENBERGER 1751). Das ÖIbild über dem Eingang stellt die Christusvision der hl. Rosa, jene an der Emporenbrüstung die hll. Raimundus, Hyazinthus und Gundisalvus (alle aus dem Dominikanerorden) dar. Über dem gotischen Marmor-Taufstein zu Füßen der spätgotischen Madonna (um 1460)werden die jungen Erdenbürger zu Gliedern am Volke Gottes. Die sog. „Sesselfrau“, eine in roten Samt gekleidete Holzplastik, dereinst die zentrale Prozessionsfigur der bedeutenden Rosenkranzbruderschaft, hat vor dem Antoniusaltar ihren Platz gefunden. Das „Dreikönigsbild“  (1724) im Langhaus stammt von SIMON BENEDIKT FAISTENBERGER. Es war ursprünglich im Pfarrhof als Deckenbild angebracht, was seine Raumperspektive und die zahlreichen Untersichten erklärt.

Das kostbare Grabdenkmal der Familie Kupferschmid fertigte 1520 der Bildhauer HANS FROSCH in Hall (1990 restauriert). Sein Bildprogramm sind die Passion Christi und die betenden Mitglieder der Stifterfamilie. Dieses Grabdenkmal und der Gedenkstein des Priesters Georg Erlbach (1515) an der Südwand sind die einzigen Werke der Renaissancezeit in der Kirche. Das lebensgroße Kruzifix an der linken Wand widmete der führende Wiener Bildhauer der Neugotik, FRANZ CHRISTOPH ERLER, 1886 seiner Heimatkirche. Den Volksaltar schuf FRANZ ÖFNER, Innsbruck (1968). Der Abschluss der Innenrestaurierung (1990) unter der Leitung von Arch. Mag. Peter Schuh verlieh besonders durch den neuen Marmorboden dem gesamten Raum wieder ein festliches Gepräge. Rings um die Pfarrkirche erstreckt sich der Gottesacker, einer der schönsten Bergfriedhöfe des Tirolerlandes. Im Schatten von St. Andreas erhebt sich neben der 1373 erstmals erwähnten Totenleuchte die um 1450 zusam-men mit dieser erbaute sternrippengewölbte Ölbergkapelle. Sie ist eine Stiftung des Kitzbüheler Bürgers Hans Stolz. Im Inneren zeigt sie Fresken eines Passionszyklus des späten 16. Jahrhunderts und Ölbergfiguren (um 1750) von FRANZ OFFER (?). Die Eingangsseite zieren zwei Wappenreliefs (Mitte 15. Jh.), an der Südwand mehrere Marmorgrabtafeln, zugehörig zur angrenzenden Gruft.

Dreikönigsbild von Simon Benedikt Faistenberger im Langhaus, 1724