logo-verlag-st-peterFranziskanerkirche in Salzburg

ÜbersichtFranziskanerkirche SalzburgGeschichte und Baugeschichte
Ausschnitt aus der Schedelschen Weltchronik, 1493

Geschichte und Baugeschichte

Von der Taufkirche zur romanischen Stadtpfarrkirche
Mannigfaltig wie das Bauwerk selbst sind seine Geschichte und Bestimmung. Ein Chronist des 12. Jahrhunderts berichtet, dass die Kirche ursprünglich eine Tauf- und Synodalkirche war, die schon vor der Erbauung des Domes (geweiht 774) bestand; sie war der Gottesmutter geweiht, und Bischof Virgil (745–784) hat sie bereits erneuert. Um 1130 wurde sie den Petersfrauen als Klosterkirche zugewiesen, später auch noch den Augustiner-Domfrauen. 1139 rückte sie zur Stadtpfarrkirche auf; sie trat an die Stelle der St.-Michaels-Kirche, in der St. Peter seit Jahrhunderten das Pfarrrecht ausgeübt hatte, das im selben Jahr an das regulierte Domkapitel überging. 1167 brannte die Marienkirche mit fünf weiteren Kirchen der Stadt, darunter dem Dom, nieder. Eine urkundliche Nachricht von 1208, der zufolge die Petersfrauen „im bereits erbauten oder nach ihrem Wunsche anders zu erbauenden Chor ihr Chorgebet verrichten dürfen ...“ und die Kirchenweihe von 1223 werden mit einem Neubau in Verbindung gebracht, von dem heute noch das Langhaus steht. Die Domausgrabungen (1956–1958) lassen formale Zusammenhänge zwischen dem Domneubau von 1181 und dem spätromanischen Langhaus der alten Pfarrkirche erkennen.

Der spätgotische Chor des 15. Jahrhunderts
Um 1408 (Widmung) schritt man wieder an einen Neubau. Ob von Anfang an der Neubau der ganzen Kirche oder nur des Chores geplant war, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Doch wird durch die Bauanalyse deutlich, dass man sich zumindest zu einem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt zur Ausführung des Chores allein entschlossen hat. Der Chor in seiner heutigen Form (von den barocken Veränderungen selbstverständlich abgesehen) ist daher nicht als Torso einer sechsjochigen Hallenkirche, sondern als künstlerisch einheitlicher, auf den Zusammenschluss mit dem spätromanischen Langhaus angelegter, zentralisierender Raum bzw. Bau aufzufassen. 1422 und 1429 (Widmungen) war der Chorbau noch im Gange. Altarweihen durch Erzbischof Sigmund I. von Volkersdorf (reg. 1452–1461) weisen auf seine Vollendung um diese Zeit hin. Als Baumeister ist durch das Epitaph an der Martinskirche in Landshut Meister HANS VON BURGHAUSEN (früher fälschlich Hans Stethaimer genannt) gesichert. Nach seinem Tod (1432) dürfte STEPHAN KRUMENAUER (erst 1452 in Salzburg genannt, † 1461 in Braunau) die Bauleitung innegehabt haben. Der Turm wurde erst zwischen 1486 und 1498 nach einem Nürnberger Riss ausgebaut. 1484 wandte sich die Stadt an Rueland Frueauf d. Ä. wegen eines neuen Hochaltares. Schließlich erhielt aber MICHAEL PACHER von Bruneck/Südtirol den Auftrag und führte ihn 1495–1498 (Pacher starb im Sommer 1498 in Salzburg) um den hohen Betrag von 3.300 Gulden aus. Mit dem Bau des Chores der Pfarrkirche und seiner Ausstattung durch erste Meister hatten sich die Bürgerschaft und Zünfte der nach Reichsfreiheit strebenden Stadt Salzburg ein anspruchsvolles Denkmal gesetzt.

Ausschnitt aus der Stadtansicht von 1553Berufung der Franziskaner 1583 und Barockisierung der Kirche
Nach Aufhebung des Klosters der Domfrauen 1462 und der Petersfrauen 1583 wurden die Franziskaner nach Salzburg berufen. 1592 übergab ihnen Erzbischof Wolf Dietrich die Kirche mit eingeschränkter Pfarrjurisdiktion. Erzbischof Markus Sittikus (reg. 1612–1619) entband sie wieder dieser Pflichten und erlaubte ihnen sogar den Neubau einer Kirche, der aber unterblieb. 1635 wurde das Pfarrrecht auf den neuen Dom übertragen und die Pfarrkirche den Franziskanern als Ordenskirche überlassen, worüber 1642 die Schenkungsurkunde ausgefertigt wurde. Inzwischen hatte die Kirche während der Demolierung des alten Domes und der Errichtung des neuen von 1598 bis 1628 auch als Kathedrale gedient. Damit hängt der Beginn der teilweisen Barockisierung der Kirche unter Erzbischof Wolf Dietrich (reg. 1587–1612, † 1617) zusammen, die im Kapellenkranz während des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts fortgesetzt wurde. 1668 wurde das Kirchendach erneuert, 1670 der Spitzhelm des Turmes durch eine niedrigere Haube ersetzt. 1709/10 krönte JOHANN BERNHARD FISCHER VON ERLACH die Barockausstattung mit seinem Hochaltar. Vom Hochaltar Michael Pachers wurde die seit der Gegenreformation als Gnadenbild verehrte thronende Muttergottes übernommen. Das vom abgetragenen Altar abgelöste Gold brachte noch 512 Gulden. Außer der Muttergottesfigur haben sich vier Tafelbilder fragmentarisch erhalten (Vermählung Mariens, Geißelung Christi, Josefs Sturz in den Brunnen, Österreichische Galerie in Wien; Geburt Mariens in Wiener Privatbesitz), die eine weitgehende Rekonstruktion des Pacher-Altares erlauben.

Ausschnitt aus einem Foto vor 1866Zur weiteren Entwicklung bis heute
1701 verordnete Erzbischof Johann Ernst Graf Thun (reg. 1687–1709), dass die ehemalige Pfarrkirche nur mehr „Kirche Unserer Lieben Frau zu den Franziskanern“ genannt werden dürfe. 1787 dachte Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo (reg. 1772–1803, † 1812) im Zusammenhang mit der Residenzerweiterung daran, das Langhaus abzutragen, die gotische „Rotunda“ des Chores nach römischer Art zu maskieren und als Hofkapelle und Grablege der Erzbischöfe zu verwenden. Während der Zeit des Kurfürstentums (1803–1805) unter Ferdinand von Toskana diente die Kirche tatsächlich als Hofpfarrkirche. 1866/67 wurde der Turm regotisiert. 1860, 1896/1901, 1950/58 und 1983/86 wurde die Kirche restauriert. 1987 wurde die Marien-Orgel im gotischen Chor, 2003 die Hauptorgel, „Heilig-Geist-Orgel“, errichtet.