logo-verlag-st-peterFranziskanerkirche in Salzburg

Blick auf das Mittelschiff des spätromanischen LanghausesBaubeschreibung

Einheit in der Vielfalt – so könnte das Erscheinungsbild der Kirche bezeichnet werden. Dies gilt sowohl für den Innenraum wie für das äußere Erscheinungsbild. Das romanische Langhaus ragt nicht über die Häuser der Altstadt hinaus. Gott ist mitten unter den Menschen. Er ist einer von ihnen geworden und hat unter ihnen gelebt. Aber er hat den Menschen den Weg zum wahren Leben gezeigt, der über das Irdische hinausführt. Dafür stehen der hohe gotische Chor und der hohe gotische Turm. Das riesige Dach vereint den Kapellenkranz und den Gottesdienstraum der Gläubigen. Gemeinschaft der Heiligen, derer, die zur Heiligkeit berufen sind, unter einem Dach – Christus. Der 87 m hohe Turm ist wie ein Zeigefinger, der nach oben weist: Unser letztes Ziel ist Gott. Er möchte aber auch bewusst machen, jeder Christ ist dazu berufen, die Menschen durch sein Leben wie ein Wegweiser nach oben, das heißt zu Gott zu führen. Zehn Glocken hängen in der Glockenstube des Turmes, die uns mit ihren Stimmen daran erinnern.

Die Franziskanerkirche besteht baulich aus zwei zeitlich und stilistisch völlig verschiedenen Teilen, die ihrerseits wieder durch Barockisierung und spätere Restaurierungen Veränderungen erfahren haben: erstens dem spätromanischen, basilikalen Langhaus, dem um 1700 eine Barockfassade vorgeblendet wurde und dessen Seitenschiffe bereits unter Erzbischof Wolf Dietrich durch Oratorien aufgestockt wurden, und zweitens dem spätgotischen Hallenchor, dessen ursprünglich angelegter Kapellenkranz im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts neu gestaltet wurde. Die Chorachse der geosteten Gesamtanlage ist gegenüber der Langhausachse etwas nach Norden verschwenkt.

Die beiden Baumeister Hans von Burghausen und Stephan KrumenauerDie Frage des Zusammenschlusses von Langhaus und Chor wurde schon im historischen Abschnitt kurz berührt. Hier sei darauf hingewiesen, dass bei aller stilistischen Unterschiedlichkeit der beiden Räume sich auch verbindende Momente in Form und Material aufzeigen lassen: Glätte der Wand, Architekturglieder aus Nagelfluh, Spitzbogen und Baldachinsystem im durchaus noch romanischen Langhaus, Übernahme der lichten Breitenmaße des Langhauses durch den Chor, im Mittelschiff in der Weise, dass das Achsenmaß der Chorpfeiler der lichten Weite des romanischen Mittelschiffes fast genau entspricht und dergleichen mehr. Die überraschende Stärke der Hell-Dunkel-Wirkung zwischen Langhaus und Chor bedarf insofern einer Einschränkung, als der Gegensatz ursprünglich nicht so stark gewesen sein kann: das im Mittelalter basilikale Langhaus mit Fenstern in den Seitenschiffen und im Lichtgaden des Mittelschiffes war nicht so dunkel wie heute, der Chor dagegen war durch die tiefer herabgezogenen Fenster im Chorscheitel und an der Südseite lichtdurchfluteter.

Dieses Licht war aber im gesamten wieder gedämpfter als heute, da farbige Glasfenster angenommen werden müssen. Wie im Architektonischen waren auch in der Lichtführung die Gegensätze durch ausgleichende Elemente gemildert. Die Gesamtraumwirkung muss vor der Barockisierung noch wunderbarer und einheitlicher gewesen sein. Die letzte Restaurierung ergab, dass die nördlichen Chorfenster von Anfang an so kurz wie heute waren. Die helle Färbelung des Langhauses hat den Gegensatz zum Chor gemildert.