logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Bischofshofen

Zur Baugeschichte der Pfarrkirche

Baualterplan der Pfarrkirche St. Maximilian

Fundamentale neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Maximilianskirche erbrachten die bereits erwähnten, unter Leitung von Dr. Fritz Moosleitner 1998/99 durchgeführten archäologischen Grabungen. Sie ergaben folgende Ergebnisse zur Rekonstruktion der einzelnen Bauphasen:

Die frühe Klosterkirche (Mitte 8. Jahrhundert)
Obwohl bei den Grabungsarbeiten in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt die gut erhaltenen Baureste des spätkarolingischen Baues nicht angetastet wurden, konnten Teile der vermutlich von Bischof Virgil um die Mitte des 8. Jahrhunderts erbauten Klosterkirche im Grundriss gesichert bzw. der Ostabschluss mit Apsis hypothetisch rekonstruiert werden. Es handelte sich um einen Saalbau mit einer Breite von 10,2 Metern, an den westseitig eine kurze Vorhalle angefügt war. Der noch unter dem hl. Rupert entstandene Gründungsbau war vermutlich ganz aus Holz gebaut und ist bereits um 720 zerstört worden.

Die spätkarolingische Klosterkirche (um 900)
Der unmittelbare Vorgängerbau der bestehenden spätgotischen Kirche stammt, so die Erkenntnis von Dr. Moosleitner, noch aus spätkarolingischer Zeit (um 900). Interessant erscheint hier auch eine Notiz auf der Bischofshofener Ablasstafel von 1447, die im Zusammenhang mit dem vorgotischen Bau einen Salzburger Erzbischof Dietmar nennt. Von den beiden Erzbischöfen dieses Namens aus dem 9. und 11. Jahrhundert kommt aber aufgrund des baulichen Befundes eher Dietmar I. (873–907) in Frage. In der Rekonstruktion anhand der entdeckten  Fundamente, Fußböden und von Teilen des aufgehenden Mauerwerks ergibt sich eine dreischiffige Kreuzbasilika im gebundenen System, wobei der um mehrere Stufen erhöht gelegene Altarraum, Querschiffarme und Vierung einen quadratischen Grundriss aufwiesen und das Mittelschiff die doppelte Länge dieses Quadrates; die das Mittelschiff flankierenden Seitenschiffe besaßen dessen halbe Breite. Das nördliche Querhaus ging ohne Baunaht in den anschließenden Klostertrakt über. Dieser ehemalige Klosterkomplex ist im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und 1775 bei einem heftigen Unwetter vom Gainfeldbach weithgehend zerstört worden. Der Kastenbhof wurde danach verändert wieder aufgebaut. Heute ist hier u. a. das Rathaus von Bischofshofen untergebracht.

Spätere Veränderungen (10./14. Jh.)
In den rund 550 Jahren ihres Bestehens erfuhr die spätkarolingische Kirche bauliche Veränderungen, die auch mit der Anpassung an wechselnde liturgische Anforderungen zusammenhängen dürfte. Zunächst wurde die Vierung zum Altarraum und zu den Querarmen hin abgemauert. Da dadurch der Blick zum Hochaltar vom Langhaus aus verwehrt wurde, stellte man am Ostende des Mittelschiffes und in den Querschiffarmen neue Altäre auf. In einer späteren Bauphase wurde die Abmauerung der Vierung wieder entfernt, diese gleichzeitig im Bodenniveau erhöht und anstelle des nun entfernten Altares mit einem Stufenabgang zum Mittelschiff verbunden. Vermutlich geschah dies im Zusammenhang mit der für das Jahr 1327 überlieferten Chorweihe.

Hochgrab des Bischofs Silvester Pflieger

Westfassade der Pfarrkirche zum hl. Maximilian

Der spätgotische Neubau (Mitte 15. Jh.)
Der jetzige Bau ist entgegen früherer Auffassung nicht im Kern romanisch, sondern zur Gänze in das 15. Jahrhundert zu datieren. Vermutlich im Anschluss an die Ablassverleihung 1447 durch Papst Nikolaus V. entstanden die Pläne für den spätgotischen Neubau, die bald darauf umgesetzt wurden. Bauherr war der damalige Chiemseer Bischof Silvester Pflieger (1438–1453), auf dessen Wunsch nach seinem Tod im Oktober 1453 im nördlichen Querschiffarm ein prächtiges Hochgrab als letzte Ruhestätte errichtet wurde. Aus dieser Zeit hat sich auch noch eine gemalte Ablasstafel mit einer Darstellung des hl. Maximilian erhalten. Man riss zunächst den Altarraum und das Querschiff des mittelalterlichen Vorgängerbaues ab und zog dann das neue gotische Querschiff mit Vierungsturm sowie den schmalen polygonal schließenden Altarraum in die Höhe. Es folgte als zweiter Schritt nach Abriss des alten Langhauses der Bau des weiten einschiffigen Kirchenschiffes mit einspringenden Wandpfeilern, das in einem weiteren Schritt zu einer dreischiffigen Halle mit vier schlanken Mittelsäulen und einem Parallelnetzrippengewölbe im Mittelschiff umgestaltet wurde; die zwischenzeitlichen Wandpfeiler wurden dabei wieder entfernt.