logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Bischofshofen

St.-Georgs-Kapelle

Georgikapelle, Ansicht von Südosten

Erbaut wurde sie jüngeren Untersuchungen zufolge vor 1200 als romanische Eigenkapelle der „Herren von Pongowe“, wohl als Teil einer Burg- oder Wehranlage. Urkundlich genannt wird sie 1403 in einem Ablassbrief. Zuletzt wurde das Georgskirchlein in den Jahren 2003 bis 2006 durch eine Initiative des örtlichen Rotary-Clubs renoviert. Am schlichten Außenbau setzt sich die halbkreisförmige Apsis vom rechteckigen Kirchenschiff ab; an der Südseite ist noch der ursprüngliche, später vermauerte Südeingang zu erkennen. Über dem frühgotischen Westportal ist als vielleicht noch römerzeitliche Spolie ein kleiner Kopf mt einer Mitra eingemauert. Auch das Innere entspricht einem schlichten romanischen Bautypus von Landkapellen, wie er sich auch noch in Niederösterreich oder der Steiermark erhalten hat. Der flachgedeckte Saalraum besitzt an der Südmauer zwei Fenster, die 1950 durch ALBERT BIRKLE mit Glasmalereien ausgestattet wurden; diese zeigen in Verbindung mit religiöser Symbolik die Themen „Krieg“ und „Frieden“.

Die östlich anschließende Apsis ist mit bemerkenswerten romanischen Wandfresken aus der Zeit um 1230/50 bemalt, die 1950 aufgedeckt und 2006 gründlich renoviert bzw. konsolidiert werden konnten. Der vermutlich von einem Salzburger Meister geschaffene Zyklus widmet sich der Heilsgeschichte, wobei die Themen in drei Etagen als geschlossenes ikonographisches Programm angeordnet sind: beginnend mit den Propheten des Alten Testamentes, von der Geburt Christi über die Kreuzigung bis zum Weltgericht, ergänzt um die Evangelisten und Heilige sowie die Muttergottes mit dem Kind. Bemerkenswert ist für diese Stilepoche die Darstellung der Kreuzigung inmitten der Apsis. Die starke Einbeziehung Mariens ist auch als Bezug auf die unterhalb gelegene, schon damals bestehende frühromanische Marienkirche zu sehen. Stilistisch zeigen die Fresken teils Anklänge an den Zackenstil, andererseits aber auch eine „zukunftsweisende Figurenauffassung, die als ‚protogotische‘ bezeichnet werden kann“ (M. Stöckl).

Apostel, Wandfresko in der Georgikapelle

Die Themen im Einzelnen: in der Mitte der Apsiskalotte zwischen den beiden Rundfenstern Christus am Kreuz, umgeben von Maria und Johannes, seitlich folgen Gruppen von jeweils sechs Aposteln, darüber Christus als auferstandener, thronender Weltenherrscher (Majestas domini) sowie die vier Evangelisten, die hier nicht mit Tiersymbolen, sondern als beflügelte Wesen an Pulten schreibend gezeigt werden. In der unteren Reihe zwischen den Fenstern Maria mit dem Kind, flankiert von zwei Heiligen, vermutlich Barbara und Katharina. Seitlich folgen jeweils vier männliche Heilige. Sie lassen sich nicht alle bestimmen, aber in der linken Gruppe sind ein Bischof und in der rechten Gruppe ein weiterer Bischof (vielleicht Rupert und Virgil) sowie der Kapellenpatron St. Georg (Bezug zur einstigen Verteidigungsanlage) zu erkennen. Am Chorbogen unter der Flachdecke folgen zwei Propheten, vermutlich Jeremias und Jesaja unterhalb die heiligen Oswald und Margaretha (sie waren bei der letzten Renovierung leider nicht mehr gut rekonstruierbar).

Gegenüber der Kapelle befindet sich der östliche Friedhofszugang, den KARL REISENBICHLER im Jahr 1931 als Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen gestaltet hat.

Friedhofszugang von Karl Reisenbichler, 1931