logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Bischofshofen

ÜbersichtDie Kirchen von BischofshofenRundgang durch die Kirche
Rundgang durch die Kirche

Grundriss der Stiftskirche, mit Lage der Altäre

Lageplan zur Einrichtung
der Pfarrkirche St. Maximilian

1
Hochaltar
2 Linker Seitenaltar
3 Rechter Seitenaltar
4 Zelebrationsaltar, Ambo, Leuchter
5 Anna-selbdritt-Altar
6 Figur des hl. Petrus
7 Figur des hl. Paulus
8 Figur des hl. Florian
9 Marmorhochgrab für Bischof Pflieger,
Bilder Anbetung der Könige und Marienkrönung
10 Bild Skapulierübergabe
11 Bild Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
12 Taufstein
13 Orgel

Wandfresken:
a Grablegung, Christus in der Vorhölle,
Auferstehung, Kalvarienberg
b Tod des hl. Joseph, darunter Passion Christi
c Flucht nach Ägypten, Bethl. Kindermord
d Hl. Erzengel Michael
e Hl. Kirchenvater Hieronymus

Pfarrkirche St. Maximilian von Osten

Zur Architektur
Schon der Außenbau deutet die dreigeteilte räumliche Organisation im Inneren an. An den polygonal geschlossenen Chor mit seinem unter dem Dachansatz umlaufenden gemalten Maßwerkfries, der bei der letzten Außenrenovierung 2010 freigelegt wurde, schließt das seitlich vortretende Querschiff mit dem Vierungsturm an. Diesem folgt das etwas schmälere, mit je drei schmalen Maßwerkfenstern versehene und von einem steilen Satteldach gedeckte Langhaus, dessen schlichte Westfassade ein kleines Rundfenster aufweist. Darunter birgt der von einem Pultdach überdeckte Eingangsvorbau das von Strebepfeilern flankierte Spitzbogenportal. Die Fresken darüber zeigen drei nur noch fragmentarisch erhaltene Bischofsgestalten sowie rechts davon den hl. Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter. Nach dem Durchschreiten der Vorhalle gelangt man in das als gotische Staffelhalle errichtete Langhaus, dessen Mittelschiff ein Parallelnetzrippengewölbe aufweist, während die niedrigeren Seitenschiffe mit einem schlichten Kreuzrippengewölbe eingedeckt sind.  Die besondere Raumatmosphäre ergibt sich durch die Architektur der östlichen Raumteile, die nur durch schmale Durchgänge von den Seitenschiffen her bzw. durch den hohen Vierungsbogen einzusehen und zu betreten sind. Auch wenn es sich um einen spätgotischen Neubau handelt, scheinen doch die Anklänge an die Raumorganisation der mittelalterlichen Klosterkirche unverkennbar. Besonders eindrucksvoll ist die hohe, von vier massiven Pfeilern und Gurtbögen gerahmte Vierung, deren Gewölberippen eine oktogonale Rautensternfigur zeigen. Sie tritt mit den netzrippengewölbten Querschiffarmen als eigenständiger Raumteil in Erscheinung, von dem sich weiter nach Osten die schmale Chorapsis absetzt. Die neu gestaltete liturgische Mitte, die seit der feierlichen Altarweihe und Ambosegnung zum Abschluss einer mehrjährigen Renovierungsphase am 4. Oktober 2015 die Kirche bereichert, vermag dabei an der Schnittstelle zwischen Gemeinderaum und Chor in künstlerischer und – durch die Einbindung der Vierung als Standort der Sessio – auch in raumfunktionaler Hinsicht Neues mit Altem zu verbinden.

Kreuzabnahme, Detail der Wandfresken

Wandfresken

An den Wänden der Seitenschiffe haben sich Wandbilder aus spätgotischen bzw. barocken Ausstattungsphasen erhalten. So zeigt die Nordwand im linken Seitenschiff im mittleren Joch Reste eines spätgotischen Freskenzyklus (Ende 15. Jh.) mit Szenen aus dem Leben Christi: von links nach rechts: Grablegung, Christus in der Vorhölle, Auferstehung und Kalvarienberg. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde hier eine verglaste Nische mit der Statue des hl. Antonius von Padua in die Wand eingesetzt. Im benachbarten vorderen Joch stellt ganz oben ein etwa gleichzeitiges Fresko den Tod des hl. Joseph dar. Die etwas jüngere Bildreihe (17. Jh.) darunter zeigt in der Art eines Fastentuches die Passion Christi, die von der Gefangennahme (links oben) bis zur Auferstehung und Himmelfahrt reicht. Die Themen des 1561 datierten barocken Freskos im rechten Seitenschiff sind die Flucht nach Ägypten und der Bethlehemitische Kindermord. Weiter westlich folgt eine Darstellung des hl. Erzengels Michael, versehen mit Seelenwaage und Flammenschwert, beim Sturz des Luzifer (rechts davon dat. 1654). Die Malerei am vorderen linken Rundpfeiler ist, soweit der schlechte Erhaltungszustand das zulässt, als hl. Kirchenvater Hieronymus mit dem Kardinalshut (um 1500) zu identifizieren.

Hochaltar

Hochaltar
Der jetzt in der Apsis aufgestellte barocke Hochaltar (um 1680) stammt ursprünglich aus Bayern, angeblich aus einem aufgelassenen Kloster im Chiemgau. Die Mitte nimmt anstelle eines Altarbildes eine geschnitzte Gnadenstuhl-Gruppe ein: Gottvater hält seinen gekreuzigten Sohn vor seinem Schoß, Engel mit christlichen Symbolen begleiten die Szene, zuoberst schwebt die Taube des Hl. Geistes und vervollständigt die Gruppe zur Heiligsten Dreifaltigkeit. Seitlich stehen vor den Säulenpaaren Statuen der heiligen Joseph und Anna sowie außen von Kaiser Heinrich und seiner Gattin Kunigunde. Älter als der Altar ist der als kleiner Kuppelbau gestaltete Tabernakel von 1630, einer der ältesten in der Erzdiözese (siehe auch Frauenkirche). Eine spätere Ergänzung ist die Auszugsstatue des Pfarrpatrones von Bischofshofen, des hl. Maximilian, in Begleitung zweier Mönche bzw. Gefährten des hl. Rupert. Diese Figur schuf JOHANN SENONER aus Zell am See im Jahr 1923. In der Mitte des Chores steht der spätgotische Taufstein aus Rotmarmor; er weist statt der sonst häufigen oktogonalen Form einen neuneckigen Grundriss auf.

Seitenaltäre
Im Zuge der Erneuerung der liturgischen Orte gestaltete der Künstler WILHELM SCHERUEBL die beiden Seitenaltäre neu, deren Statuen in barocken Aufbauten aufgestellt waren. Scheruebl fand in Anlehnung an gotische Flügelaltäre eine moderne Schreinlösung. Dabei sind sowohl die Schreininnenseiten, die mit ihrem goldfarbenen Material an die Hintergründe gotischer Tafelmalerei erinnern, als auch die klappbaren Flügel mit unterschiedlichen Durchbrüchen versehen. Diese erinnern an die amorphen Formen von Zellen und können somit in vielschichtiger Weise eine symbolische Brücke schlagen – die biologische Zelle als Ursprung des Lebens, die lebendige Kirchengemeinschaft als Zusammenwirken vieler Einzelner, die (Maximilians-)Zelle als historischer Ursprung von Bischofshofen. Der linke Altarschrein birgt eine spätgotische Kreuzigungsgruppe, also Christus zwischen Maria und Johannes, während der aus einem Mittel- und zwei Eckschreinen bestehende rechte Altar drei spätgotische Frauengestalten (um 1480) aufnimmt: in der Mitte die Muttergottes mit dem Jesuskind, im Stil der Schönen Madonnen mit der klassischen S-Form in der Körperhaltung, auf einem Halbmond stehend in Anlehnung an die Apokalypse. Sie wird begleitet von zwei frühchristlichen Märtyrerinnen, wobei die linke mit dem Turm eindeutig als die hl. Barbara zu erkennen ist. Bei der rechten fehlt zwar ein eindeutiges Attribut, die männliche Figur unter dem linken Fuß dürfte sie aber als hl. Katharina von Alexandrien ausweisen; die genannte Figur wäre dann ihr Peiniger, der römische Kaiser Maxentius, den sie in der Kraft des Glaubens überwand. Die historischen Statuen wurden von JOSEF EICHLER aus Bruckmühl restauriert.

Zelebrationsaltar, Ambo und Leuchter

Zelebrationsaltar, Ambo, Leuchter
Die Neugestaltung der liturgischen Orte oblag ebenso wie die Erneuerung der Seitenaltäre der künstlerischen Umsetzung durch WILHELM SCHERUEBL aus Radstadt. Der wie die Seitenaltäre auf einer um eine Stufe erhöhten Altarinsel aufgestellte Zelebrationsaltar als „Tisch des Mahles“ (rechts) und der Ambo als „Tisch des Wortes“ (links) sind aus der Kubatur eines massiven, hellen Marmorblockes heraus geformt und so unmittelbar aufeinander bezogen. Dazwischen sind links der Osterleuchter und rechts die beiden Altarleuchter angeordnet. Darüber schwebt, in Anlehnung an die Tradition des Triumphbogenkreuzes und als Symbol der Auferstehung, eine Kopie des Rupertuskreuzes. Im Hintergrund steht in der Vierung der Vorstehersitz, begleitet von den ebenfalls in schlichten, klaren Formen aus Holz ausgeführten Sedilien.

„Altar und Ambo sollen gemäß den liturgischen Vorschriften feststehend sein. Der feststehende Altar erinnert an Jesus Christus, den lebendigen Stein (vgl. 1 Petr 2,4; Eph 2,20). Um zwischen den Seitenaltären keine Barriere zur Vierung zu schaffen, werden der Altar und der Ambo aus der Achse gerückt. Die eigentliche Mitte bleibt unbesetzt, dieses Dazwischen gibt als erfüllte Leere den Blick frei auf den Vorstehersitz und den Altarraum.“  (Roland Kerschbaum)

Anna-selbdritt-Altar
Der im rechten Querarm aufgestellte Altar mit seinem seitlich leicht ausschwingenden viersäuligen Aufbau (Mitte 18. Jh.) stand bis 1950 in der Georgikapelle. Während das Auszugsbild mit dem hl. Sebastian und die Seitenfiguren der heiligen Antonius von Padua und Johannes Nepomuk der gleichen  Zeit angehören, stammt die Anna-selbdritt-Gruppe – die hl. Mutter Anna mit ihrer Tocher Maria und dem Jesuskind – aus spätgotischer Zeit; entstanden um 1515, wird sie stilistisch der vornehmlich in Oberösterreich tätigen WERKSTATT DES LIENHART ASTL zugeordnet. Aus bäuerlichem Privatbesitz kam das ebenfalls noch spätgotische Predellenrelief mit Christus und den zwölf Aposteln hierher.

Anna-selbdritt-Altar

Konsolfiguren

Die beiden um 1770 entstandenen Konsolstatuen der heiligen Petrus und Paulus am Chorbogen stammen ursprünglich aus Zell am See; eine weitere barocke Statue im nördlichen Querarm zeigt den hl. Florian.

Hochgrab des Silvester Pflieger
Dieser Raum im nördlichen Querarm dürfte schon von Anfang an vom Bauherrn der spätgotischen Kirche, dem 1438 zum Bischof von Chiemsee ernannten Silvester Pflieger, als Gedächtniskapelle konzipiert worden sein. Dies ist aus der Inschrift seiner hier aufgestellten Tumba mit einer Deckplatte aus Adneter Marmor zu erschließen, die das ganzfigurige Relief des Verstorbenen ziert. So fand er nach seinem Tod am 21. Oktober 1453 hier seine letzte Ruhestätte. Als Schöpfer dieses Hochgrabes, des einzigen erhaltenen Beispiels im Land Salzburg, könnte der Bildhauer HANS BALDAUF in Frage kommen. Erwähnt sei auch die mit schmiedeeisernen Beschlägen kunstvoll verzierte spätgotische Sakristeitür.

Anbetung der Könige, barockes Ölgemälde

Barocke Ölgemälde
Die beiden über dem Hochgrab angebrachten Bilder stammen vom ehemaligen barocken Hochaltar, der 1896 durch einen neugotischen Altar ersetzt wurde. Das Altarblatt war dann in der Frauenkirche und kam 1950/51 wieder zurück in die Pfarrkirche an den jetzigen Standort. Thema des um 1693 durch JOHANN FRIEDRICH PERETH ausgeführten Gemäldes ist die Anbetung der Könige. Im Bildzentrum hält Maria, mit einem in leuchtendem Rot gemalten Kleid, das Jesuskind auf dem Schoß, dem sich von links kniend einer der drei Weisen aus dem Morgenland nähert. Das kleinere Gemälde darüber war das ehemalige Auszugsbild des Hochaltares; es stammt vom gleichen Künstler und zeigt die Krönung Mariens durch die Hl. Dreifaltigkeit. Ebenfalls von PERETH stammt das an der linken Chorwand angebrachte Gemälde Maria übergibt dem hl. Simon Stock das Skapulier. Es entstand um 1702 für einen neuen Seitenaltar, der ein Jahr zuvor im Auftrag der U. L. F. Skapulierbruderschaft unter Kastner Melchior Puppele errichtet wurde. Thema ist die visionäre Skapulierspende durch Maria an den hl. Simon Stock († 1265), den bekanntesten Ordensgeneral der Karmeliter. Ebenfalls barock ist das Bild gegenüber mit dem Titel Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.



Orgelempore
Im Jahr 2000 erhielt die Pfarrkirche eine neue Orgel, erbaut durch die Fa. ORGELBAU KÖGLER in St. Florian um Orgelbaumeister Christian Kögler; das Instrument wurde im Jahr 2014 saniert. Unter der Orgelempore sind die als Reliefs gestalteten Kreuzwegstationen (19. Jh.) angebracht.