logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Bischofshofen

Historischer Überblick

Pfarrkirche St. Maximilian, dahinter die Frauenkirche in Bischofshofen

Nur ganz wenige Kirchen im Bereich der Erzdiözese Salzburg sind dem hl. Maximilian geweiht. Wohl am engsten mit dessen Vita verknüpft ist die Pfarrkirche von Bischofshofen, wie auch der „sprechende“ Ortsname und der historische Ortskern mit dem Kastenturm und den wie an einer Perlenschnur aufgereihten drei Gotteshäusern – Pfarrkirche, Frauenkirche und Georgikapelle – die historische Bedeutung des Ortes als Keimzelle des kirchlichen Lebens im Pongau widerspiegeln.

Ursprünge im 8. Jahrhundert – Die Maximilianszelle
Schon die beiden ältesten Salzburger Güterverzeichnisse, neben der Notitia Arnonis besonders die 798 abgefassten Breves Notitiae unter Einschluss des noch von Bischof Virgil aufgezeichneten Libellus Virgilii, berichten über die Gründung der Maximilianszelle durch den hl. Rupert um 711/12. Zwei Angehörige einer im südlichen Salzburger Becken ansässigen Adelssippe aus Albina (Oberalm), das Brüderpaar Tonazan und Urso (Ledi), drangen beim Jagen und Goldwaschen in das große Waldgebiet des heutigen Pongaus vor und nahmen hier an einem als Pongau (Pongauui) bezeichneten Ort mehrmals merkwürdige Erscheinungen mit brennenden Lichtern und einem wunderbaren süßlichen Duft wahr. Als Dienstmann des hl. Rupert berichtete Tonazan seinem Bischof davon, der einen Priester dorthin sandte. Dieser konnte die Angaben bestätigen und stellte hier zunächst ein Holzkreuz mit einer einfachen Hütte auf. Nachdem der Bayernherzog Theodo, dem dieses Gebiet gehörte, die Genehmigung dazu erteilt hatte, ließ Bischof Rupert (um 696–um 718) dort eine Kirche mit Kloster errichten. Er weihte die Kirche dem hl. Maximilian, wobei er an eine vielleicht noch spätantike Verehrungstradition des Heiligen durch die romanische Restbevölkerung an dieser Stelle anknüpfte. Wie die Reliquien Maximilians, der im 3. Jahrhundert angeblich in Celeja den Märtyrertod erlitten hatte, dorthin gekommen sind, ist eine noch offene Frage. Das Kloster sollte als Stützpunkt zur Missionierung der noch im 6. Jahrhundert in den Raum um den heutigen Lungau und Pongau vorgedrungenen Alpenslawen und zur christlichen Kolonisierung in Richtung des slawisch besetzten Karantanien im Süden dienen. Herzog Theodo stattete die neue Gründung mit großem Grundbesitz aus, ebenso das erwähnte Brüderpaar der Albiner.

Figur des hl. Maximilian im Auszug des Hochaltars

Maximilian vom Pongau (Festtag am 12. Oktober)
Die Gestalt des Heiligen, der nach einer im 13. Jahrhundert entstandenen Legende aus Celeja (Celje/Slowenien) stammen soll, ist historisch umstritten. Er soll in Pannonien als christlicher Glaubensbote sowie später in Lorch (bei Enns, Oberösterreich) als Bischof gewirkt haben und um 281/84 als christlicher Märtyrer enthauptet worden sein. Möglicherweise vermischt sich die legendäre Vita des Maximilian von Celeja mit der Verehrung jenes Maximilian, der in der Zeit der Völkerwanderung in Bischofshofen verehrt wurde und dessen Reliquien im 9. und 10. Jahrhundert über Altötting nach Passau gelangten. Populär wurde der Maximilianskult, als Kaiser Friedrich III. 1458 im Krieg gelobte, seinen ersten Sohn auf den Namen Maximilian taufen zu lassen. Die Verehrung des hl. Maximilian blieb weitgehend auf das Bistum Passau und auf Österreich beschränkt.

Zerstörung und Wiederaufbau im 8. und 9. Jahrhundert

Nachdem das junge Kloster bereits um 720 einem Angriff der Slawen zum Opfer gefallen war, lag es zunächst viele Jahre brach, bis es im Jahr 743 der Bayernherzog Odilo seinem Priester Ursus aus der Albina-Sippe auf dessen Bitte als Lehen übertrug. Nach 749 forderte der neue Bischof Virgil (746/47–784) die Rückgabe der klösterlichen Maximilianszelle samt Grundbesitz an die Salzburger Kirche, was aber vermutlich erst dessen Nachfolger Bischof Arn (785–821; seit 798 Erzbischof) durchsetzen konnte. Im Jahr 820 wurde die Maximilianszelle erneut von heidnischen Slawen zerstört. Erzbischof Adalram (821–836) ließ die Klosterkirche gleich nach seinem Amtsantritt wieder aufbauen und weihte sie am 12. Oktober 821 neu ein. Damit konnte sie ihre Funktion als Stützpunkt der Salzburger Slawenmission wieder aufnehmen.

Hl. Rupert
Der um 650 angeblich in Worms geborene hl. Rupert kam um 696 als Missionsbischof nach Salzburg und steht am Anfang der Salzburger Diözesangeschichte. Er wirkte hier als Bischof und war der erste Abt des Stiftes St. Peter. Zusammen mit dem hl. Virgil ist er Schutzpatron der Erzdiözese, außerdem ist er Salzburger Landespatron. Sein bekanntes Attribut, das Salzfass, erinnert nicht nur an den Orts- und Landesnamen und den Salzreichtum als materielle Grundlage für das später entstehende Bistum, sondern auch an die in der Hl. Schrift genannten Aufgaben der Gläubigen: Ihr seid das Salz der Erde (Mt 5,13). Habt Salz in euch, und haltet Frieden untereinander (Mk 9,50).

Vom Kloster zum Augustiner-Chorherrenstift

Nach dem genannten Weihedatum von 821 gibt es bis ins frühe 12. Jahrhundert keine schriftlichen Quellen über das weitere Schicksal der Maximilianszelle. Die älterere Forschung ging daher davon aus, dass sie noch im 9. Jahrhundert einging und erst unter Erzbischof Konrad I. (1106–1147) eine völlige Neugründung erfolgte. Dank der Ergebnisse, die eine 1998/99 durchgeführte archäologische Grabung im Bereich der Pfarrkirche erbrachte, konnte diese These gründlich widerlegt werden. Es kam vermutlich noch unter Erzbischof Dietmar I. (873–907) zum Bau einer großen, architektonisch reich ausgestatteten Klosterkirche (siehe Baugeschichte). Das Klosterareal erhielt im Hochmittelalter eine ungewöhnlich starke Umfassungsmauer; auch der in diese Wehranlage integrierte Kastenturm entstand nicht erst unter den Bischöfen von Chiemsee, sondern bereits im 10. oder 11. Jahrhundert. Kloster und Kirche bestanden kontinuierlich bis ins 12. Jahrhundert, als es unter Erzbischof Konrad I. im Zuge der Kirchenreformen jener Zeit auch in Bischofshofen zur Errichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes kam, vermutlich um 1139. Dieses konnte offenbar die bestehende Klosterkirche übernehmen und sich auf die liturgisch erforderlichen Neuerungen im Kircheninneren beschränken. Als Leiter erscheint 1143 erstmals ein Abt Diethalm als Propst von Hofen, wie der Ort damals genannt wurde. Ähnlich wie Zell am See war auch Bischofshofen eine Pfründe des schon 1122 regulierten Salzburger Domkapitels. Diethalms Nachfolger Magister Adalbert stand in engem Kontakt zum Erzbischof Adalbert II. Möglicherweise kam durch diesen das einzigartige Rupertuskreuz, das wohl einst der hl. Virgil für seinen 774 geweihten Dom erworben hatte, nach Bischofshofen.

Rupertuskreuz

Rupertuskreuz
Nicht nur in der Salzburger, auch in der europäischen Kunstgeschichte nimmt das „Rupertuskreuz“ eine hervorragende Stellung ein. Es wird in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts datiert und stammt vermutlich aus Northumbria (Nordengland). Sein Kern aus Ahornholz ist mit sechs vergoldeten und in Treibarbeit mit Pflanzenranken und Tiermotiven verzierten Kupferblechplatten verkleidet, die mit 38 Glas-Edelsteinen geschmückt sind. Seine Form mit den geschwungenen Enden bezeichnet man auch als Schaufelkreuz, durch die Edelsteine und die Paradieses-Ranke offenbart es sich symbolisch als Siegeskreuz. Das 158 cm hohe Kreuz dürfte in Verbindung mit dem hl. Virgil nach Salzburg gelangt und als Vortragskreuz bei Prozessionen sowie als Standkreuz neben dem Hochaltar für den ersten Salzburger Dom bestimmt gewesen sein; es ist aber sicher nicht mit jenem noch unter dem hl. Rupert aufgestellten ersten Holzkreuz vor der Gründung der Maximilianszelle identisch.


Bischofshofen und das Bistum Chiemsee
Die Situation änderte sich unter Erzbischof Eberhard II. (1200–1246) mit der Errichtung des Bistums Chiemsee im Jahr 1216. Für die Ausstattung dieses Salzburger Eigenbistums, als dessen Sitz das Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee bestimmt wurde, musste Eberhard II. nun auf erzbischöfliche Güter zurückgreifen. Ähnlich wie die Pfarren Stuhlfelden und Zell am See wurde auch (Bischofs-)Hofen dem neuen Bistum einverleibt. Entgegen einer päpstlichen Verfügung, den Personalstand der Kleriker beizubehalten, beschränkte der selbstbewusste Erzbischof noch Ende 1217 die Zahl der Geistlichen wie in Zell auch in Bischofshofen auf nur noch fünf Kleriker, womit quasi das baldige Ende des Chorherrenstiftes vorgezeichnet war. Schon im 14. Jahrhundert gab es in (Bischofs)Hofen nur noch einen Pfarrer, der seinen Sitz nicht mehr an der alten Stiftskirche, sondern an der Frauenkirche (Marienkirche) hatte. Die Übergabe der bisherigen Propstei durch Eberhard II. an die Bischöfe von Chiemsee und deren Ausbau zu einem Wirtschaftshof zog aber auch eine Namensänderung des Ortes nach sich: Dieser hieß zunächst Pongau, dann – nach dem dortigen zentralen Wirtschaftshof der Erzbischöfe – Hofen und später allmählich Bischofshofen. So deutet der Ortsname bis heute auf die einstige Bedeutung als „Hof des Bischofs“ von Chiemsee. Zumindest die ersten Jahrzehnte lang haben die Chiemseer Bischöfe vorwiegend hier residiert. Als Speicher, Wohngebäude und Verwaltungszentrale für die bischöflichen Amtsleute (Kastner) diente der alte Kastenhof mit seinem bis heute erhaltenen mächtigen Turm. Im 14./15. Jahrhundert entstand der „Chiemseehof“ in Salzburg als Residenz der Chiemseer Bischöfe, die sich aber auch danach bisweilen in Bischofshofen aufhielten. Als Mittelpunkt eines der beiden chiemseeischen Urbarämter blieb die wirtschaftliche Bedeutung von Bischofshofen für das Bistum Chiemsee bestehen. Dieses hatte hier bis zur Aufhebung 1807 einen Stützpunkt seiner freilich immer unter der Oberhoheit der Salzburger Erzbischöfe stehenden Jurisdiktion. Die einst zu Chiemsee gehörige Hofmark Bischofshofen, ein kleines Herrschaftsgebiet im Ort mit der niederen Gerichtsbarkeit, umfasste u. a. die Pfarrkirche St. Maximilian, den Kastenhof mit dem erhaltenen Turm, den Pfarrhof sowie die Grundherrschaft über Bauerngüter und eine Alm.

Zur Pfarrentwicklung
Die seelsorgliche Betreuung der örtlichen Bevölkerung lag zunächst in der Obhut der kleinen Klostergemeinschaft, wobei es vermutlich noch im 10. Jahrhundert zu einer Trennung zwischen dem Kloster und der weltlichen Seelsorge kam. So übernahm allmählich die wohl um 1000 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Klosterkirche neu errichtete Frauenkirche als „Leutekirche“ die Funktion einer Pfarrkirche; darauf deuten die bei archäologischen Grabungen an der einstigen Außenwand des romanischen Vorgängerbaues gefundenen Grabstätten. Auch in der Zeit des Augustiner-Chorherrenstiftes dürfte die Marienkirche weiterhin als Pfarrkirche gedient haben. Unter Erzbischof Eberhard II. gingen nach der Reduzierung des Konventes die Pfarrrechte auf einen Leutepriester oder Vikar über. So ist 1312 von einem „Ulricus plebanus in Hova“ die Rede. Spätestens ab 1403 unterstand dann die Frauenkirche als Filiale der seither als Pfarrkirche dienenden Maximilianskirche. Besonders gefördert wurde die Pfarre im 15. Jahrhundert vor allem durch den Chiemseer Bischof Silvester Pflieger (1438–1453), dessen Zuwendungen auch den spätgotischen Umbau der Pfarrkirche ermöglicht haben.  Der ursprüngliche Friedhof befand sich lange Zeit im Umfeld der Frauenkirche, bis zur Errichtung eines neuen Friedhofes 1899/1900 auf der Gaisbergterrasse in Nachbarschaft zur Georgikapelle. Der Friedhof wurde seither mehrmals erweitert.