logo-verlag-st-peterDie Kirchen von Bischofshofen

Filialkirche Unsere Liebe Frau (Frauenkirche)

Hochaltar in der Frauenkirche

Geschichte
Vermutlich um 1000 errichtete man westlich oberhalb der Klosterkirche im Zuge der hochmittelalterlichen Klosterreformen ein neues Gotteshaus für die Bevölkerung („Leutekirche“), die der Gottesmutter gewidmete Frauen- oder Marienkirche. Schon seit dem 11. Jahrhundert diente sie als Grablege, bis gegen 1403 auch als Pfarrkirche. Der heutige spätgotische Bau entstand unter Verwendung von Mauerresten des Vorgängerbaues (Freskenreste im Westen, um 1300) unter Pfarrer Andreas Moser, einem Zeitgenossen des Chiemseer Bischofs Silvester Pflieger. Zunächst dürfte um 1440 der Chor errichtet worden sein, etwas später erfolgte die Einwölbung des Langhauses. Der 63 Meter hohe Spitzturm wurde 1522 vollendet. Neben dem Abgang zur unter dem Altarraum gelegenen Krypta (außen an der Südwand) ist an einem Wandpfeiler das heute durch einen Glaskasten geschützte spätgotische Fresko mit der Darstellung der Gregorsmesse (1457) angebracht.

Rundgang
Der stimmungsvolle Innenraum besteht aus zwei weiten, netzrippengewölbten Jochen im Langhaus, das im Osten in den etwas schmäleren und niedrigeren Chor mit einem gedrückten Achtelschluss übergeht; diese Chorschlussform ergab sich vermutlich aus der Lage am Steilabfall in Richtung Osten. Die bemalten Schlusssteine im Chorgewölbe zeigen, soweit noch erkennbar, folgende Motive: Christus, Lamm Gottes, Johannes der Täufer, die Symbole der vier Evangelisten, den hl. Petrus sowie weitere Heilige.

Harmonisch fügt sich die einheitliche frühbarocke Altarausstattung in den Raum ein.  Der wie die Seitenaltäre schwarz gefasste Hochaltar von 1648 zeigt auf dem von weinlaubumrankten Säulen flankierten Altarblatt Maria mit dem Jesuskind über den beiden heiligen Märtyrerinnen Barbara und Katharina. Der Renaissance-Tabernakel von 1618 hat die Form eines Portales, dessen dreieckiger Giebel beiderseits von Säulen getragen wird. Als Aufbewahrungsort des Allerheiligsten gibt es die liturgische Form des Tabernakels am Hochaltar erst seit den Reformen des Konzils von Trient (1545–1563). Der Tabernakel am Hochaltar der Frauenkirche ist einer der ältesten im Land Salzburg.

Christus als Weltenherrscher, Wandfresko in der Frauenkirche

Die Frauenkirche besitzt einige bemerkenswerte spätgotische Wandfresken. So findet man an der Nordseite des Chores die hier leider nur noch fragmentarisch erhaltenen Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi (um 1500), die später mit einer barocken baldachinartigen Rahmung versehen wurden. Noch etwas besser erhalten hat sich teilweise die Malerei im anschließenden Langhausjoch, wiederum an der Nordseite (um 1430/40): Im oberen Teil ist in der Mitte der thronende Christus als Weltenherrscher mit dem Segensgestus zu erkennen, flankiert von Maria und Johannes sowie umgeben von weiteren Heiligen und Engeln. Links im Bereich der Kanzel zeichnet sich noch das Motiv einer Schutzmantelmadonna ab. Bei den Heiligen in der unteren Reihe über dem Sakristeiportal lassen sich zumindest der hl. Georg und der Bischof Dionysius identifizieren.

Hl. Anna, linker Seitenaltar der Frauenkirche

Der linke Seitenaltar ist mit der Jahreszahl 1680 bezeichnet und zeigt am Altarbild die hl. Anna, die ihre Tochter im Lesen unterweist, im Hintergrund den hl. Joachim. Die von Knorpelwerkdekor eingefassten schmalen Seitenflügel tragen Darstellungen der heiligen Paulus und Jakobus des Älteren; am Oberbild die Hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten, im Sockelbereich vorne die heiligen Petrus und Wolfgang bzw. seitlich Johannes Ev. und Elisabeth von Thüringen. 1685 entstand lt. Inschrift an der Predella der rechte Seitenaltar. Thema des Altarblattes ist der Tod des hl. Joseph, begleitet von Jesus und Maria, am Oberbild Gottvater; die Sockelbilder zeigen die heiligen Johannes den Täufer, Elisabeth, Zacharias und Joachim. Die ungefasste achteckige Kanzel von 1647 besitzt am Korb und am Schalldeckel zarten Dekor aus aufgeleimten Laubsägeranken. Am Chorbogen schwebt die barocke Statue der Muttergottes mit dem Kind (um 1660).

Besonders bemerkenswert auch in ortsgeschichtlicher Hinsicht sind die reich gerahmten frühbarocken Wandepitaphien als Totenschilder des Kastners sowie Bischofshofener Familien. Sie wurden von Salzburger oder örtlichen Künstlern geschaffen und zeigen neben verschiedenen religiösen Motiven meist auch die Stifterfamilie in kniender Fürbitthaltung sowie eine Inschrift. Die einzelnen Tafeln im Rundgang, beginnend vorne rechts im Chor: Beweinung Christi, oben Übertragung der Bruderlade, unten Altar mit den Familienmitgliedern (1611/1618); Langhaus Südwand: Jüngstes Gericht, oben Gottvater, unten Familie (1679); Hl. Georg, darüber Maria mit dem Kind (1639); Langhaus Nordwand: Erschaffung der Menschen im Paradies, oben Gottvater, unten Altar mit den Familienangehörigen (für den Chiemseeischen Pfleger und Kastner Martin Freisam, 1611).